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Hammershøi und Europa. Ein dänischer Künstler um 1900

Vilhelm Hammershoi in München

15. Juni – 16. September 2012

Kunsthalle
der Hypo-Kulturstiftung
Theatinerstraße 8
80333 München

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Ausstellung in München: Hammershøi und Europa. Ein dänischer Künstler um 1900

Eine Reise von Berlin in den Süden Deutschlands lohnt sich für diese einmalige Retroperspektive „Hammershøi und Europa. Ein dänischer Künstler um 1900“, die die Kunsthalle Hypo-Kulturstiftung in München noch bis zum 16. September 2012 zeigt. Die Ausstellung mit über 100 Werken des dänischen Malers Vilhelm Hammershøis bietet neben einem Überblick über alle Schaffensphasen des Malers, auch eine Einordnung in den Kontext seiner europäischen Zeitgenossen um 1900 und hebt seine Sonderstellung innerhalb der skandinavischen Kunst hervor.

Vilhelm Hammershøis (1864-1916) Werk ist zunächst ungewöhnlich aufgrund seiner eingeschränkten Farbwahl aus Grau-, Schwarz- und Weißtönen. Aber auch seine Motive zeigen neben wenigen Landschaftsbildern, vor allem die Räume seiner Wohnung in der Strandgade 30 in Kopenhagen. Die Darstellung der eigenen vier Wände, gekennzeichnet durch Gemütlichkeit und Schutz, war ein beliebtes Motiv um 1900. Hammershøi jedoch zeigt keine freundliche und wärmende Behausung, wie beispielsweise seine Malerkollegin Anna Ancher (1858-1935), die ebenfalls in der Ausstellung zu sehen ist. Seine Bilder spiegeln eine fast dunkle und alles andere als idyllische Seite des eigenen Heims wider.

Ein typisches Bild Hammershøis ist beispielsweise „Interieur“ (1899), das die Rückenansicht einer dunkel gekleideten Frau zeigt, die wahrscheinlich seine Frau Ida darstellt. Mit der Darstellung der Rückenansicht greift Hammershøi ein Figurenmotiv auf, das in der Romantik und mit Caspar David Friedrich beliebt
wurde. Hammershøis Rückenfigur hat jedoch nichts mit einem romantischen Sehnsuchtsmotiv gemein, schon allein weil diese Figur keinen Ausblick aus einem Fenster hat. Sie steht in einem Esszimmer vor einem runden Tisch und blickt in Richtung eines silbrig glänzenden Kohleofens, der in der rechten Ecke des Raumes steht. Zwei Türen befinden sich in dem Raum, die jedoch ins Leere führen: Sie sind verschlossen und zum Teil ihrer ursprünglichen Funktionen beraubt. Die Tür auf die der Betrachter frontal blicken kann, besitzt nur einen winzigen Türknopf. Die im Bild rechts befindliche Tür besitzt ebenso keine Klinke, um sie zu öffnen.

Diese irritierenden Elemente sind ebenfalls kennzeichnend für Hammershois Werk: Das Interieur wirkt vor allem darüber, dass der Maler Seegewohnheiten minimal verändert, was zu einer Irritation des Betrachters führt. Auf den ersten Blick zeigt „Interieur“ ein bürgerliches Interieur mit dunklem Holztisch, eleganten Türen und einem polierten Ofen. Bei genauerem Hinsehen verwundern jedoch nicht nur die fehlenden Türgriffe. Auch der Esstisch aus dunklem Holz, der zunächst eine warme Atmosphäre erzeugt, da er die Idee eines gemeinsamen Essens oder Zusammenseins birgt, ist seiner Funktion beraubt. Er steht leer und ohne Stühle. Die wenigen Gegenstände im Bild bieten dem Betrachter kaum Anknüpfungspunkte an eine Bilderzählung. Die Frau geht keiner erkennbaren Tätigkeit nach, die Gegenstände im Raum erfüllen keinen Zweck, die Türen führen nirgendwo hin, der Ofen ist nicht beheizt. Hammershøi scheint es nicht darum zu gehen, eine vertrauensvolle Szene aus seinem persönlichen Umfeld zu inszenieren. Hier geht es nicht um die Demonstration privater Gemütlichkeit oder das Teilhaben an heimeliger Atmosphäre. Vielmehr wird die Ordnung des bürgerlichen Lebens im Haus in Frage gestellt. Hammershøi bildet damit eine Ausnahme in der skandinavischen Malerei um 1900. Er bricht mit der herkömmlichen Funktion und Darstellungsweise bürgerlicher Interieurs und hebt sich gänzlich von den Bildern des Naturalismus und Impressionismus ab, die vor allem die äußere Erscheinung der Welt demonstrierten. Seine Frau Ida Hammershøi scheint hier als Modell für einen isolierten Menschen zu stehen, dessen Gemütszustand man als einsam bezeichnen kann.

In diesem Rahmen wird das Ich mit Gefühlen wie Einsamkeit, Nicht-Zugehörigkeit und Verlassenheit konfrontiert. Hammershøis Interieurs sind damit eine zeitlose Auseinandersetzung mit Themen, die auch im Jahre 2012 noch Aktualität besitzen.

Mehr unter: http://www.kunsthalle-muc.de/ausstellungen/details/hammershoi/

Karina Wolfsdorff

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