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Laura Hirvi
(c) Marion Holtkamp

Eine finnische (mobile) Home-Story

KULTURHUS BERLIN zu Besuch bei Laura Hirvi, Leiterin des Finnland-Instituts in Deutschland

Schon der warmherzige Empfang verrät, Laura Hirvi, die Leiterin des Finnland-Instituts in Deutschland, begrüßt nicht nur einmal am Tag Gäste bei sich. Die gebürtige Mannheimerin leitet seit Januar 2015 das Institut und hat über zehn Jahre in Finnland gelebt. Schon bei der Begrüßung sind wir beim vertraulichen und trotzdem professionellen „Du“ angekommen. Wir machen es uns in ihrem Büro, das selbstverständlich in nordischem Chic eingerichtet ist und zwei große Bilder von der Künstlerin Anna Retulainen, Visiting Art/ist am Finnland-Institut präsentiert, bequem. Das Bild, welches ich gleich zu Beginn für den finnischen Dom in Helsinki halte, wird sich am Ende unseres Interviews mit Laura Hirvi noch als Überraschungsmotiv entpuppen.

Wir sind jedoch nicht nur zum Kennenlernen des Instituts und der Institutsleiterin hier, sondern vor allem anlässlich des 100-jährigen Jubiläums von Finnlands Unabhängigkeit. Was hat das Land anlässlich der Feierlichkeit an kulturellen Highlights geplant? Wie will sich Finnland in einer Zeit, in der Diversität und Identität gesellschaftlich eine zentrale Rolle spielen, präsentieren? Welche Themen werden im Mittelpunkt stehen?

 

Doch zu Beginn plagt uns die Frage an Laura Hirvi, wofür das Finnland-Institut, das direkt am S-Bahnhof Friedrichstraße in bester Lage für jedermann zu finden ist, eigentlich steht?

Hirvi: Das Institut ist eine unabhängige Institution zur Förderung von Dialog und Austausch zwischen Kultur und Wissenschaft. Dabei geht es um das Schaffen von deutsch-finnischen Netzwerken. Gleichzeitig ist das Institut Initiator verschiedener Veranstaltungen, Ausstellungen, Lesungen u. v. m. in Berlin. Immer donnerstags findet aktuell das Rahmenprogramm zur laufenden Ausstellung „Mobile Home 2017“ im Institut selbst statt. Deutsch-finnische Netzwerke werden auch mit Veranstaltungen außerhalb von Berlin geschaffen. Erst kürzlich war Finnland Partnerland der Bremer Jazzmesse „jazzahead!“. So schnell wird man Finnland dort wohl nicht mehr aus dem Ohr kriegen.“

Der Fokus liegt bei allen Veranstaltungen nicht stetig auf der Aufarbeitung gesellschaftspolitischer Themen, sondern vor allem darauf, wissenschaftliche Themen in die Kunst zu übertragen und „Brücken zu schlagen“. Nachdem das Wirken 2016 von dem Thema „Migration“ geprägt war, ist der Themenschwerpunkt im Jubiläumsjahr mit „Heim und Heimat“ definiert.



KULTURHUS BERLIN: Was bedeutet Heimat? Was macht die finnische Seele aus?

Hirvi: Im Jubiläumsjahr stellen wir uns den Fragen „Was bedeutet eigentlich Heimat?“, „Wo fängt Finnland an, wo hört Finnland auf?“ und „Wer bestimmt eigentlich die Grenzen?“. Für Hirvi selbst ist Heimat ein Prozess und kein Zustand. Der Prozess wird für sie durch bestimmte Spielregeln, wie z. B. Menschenrechte, begleitet. Die Ausstellung „Mobile Home 2017“ ist ein sprechendes Beispiel hierfür.



KULTURHUS BERLIN: Dürfen wir uns auf Klassiker und Klischee im Jubiläumsjahr vorbereiten? Oder was erwartet die Besucher und Interessierte?

Hirvi: Man darf sich über ein langfristig vorbereitetes Repertoire an Veranstaltungen freuen, das weniger Klassiker, wie das Mittsommerfest ins Zentrum rückt, sondern sich eher aktuellen gesellschaftlichen Themen in künstlerisch überraschender Form widmet. Das globale Thema „Heimat“ wurde diesbezüglich in London, Berlin, Paris und Benelux mit verschiedenen Ansätzen in Ausstellungen aufgearbeitet. Hirvi betont: „Wir sind stolz darauf, gemeinsam so etwas geschaffen zu haben“. Berlin hat sich dem Thema mithilfe der Fragestellung nach der Bedeutung von Heimat in der Ära der globalen Mobilität genähert. Das Thema Diversität will man bei alledem eher „durch die Hintertür“ einbeziehen.

Auch in Finnland selbst sind viele Veranstaltungen im Rahmen des Jubiläums geplant. Hirvi betont in dem Zusammenhang noch einmal, dass das Land aber auch sonst immer eine Reise wert sei. Unter www.suomifinland100.fi finde man jedoch eine gute Übersicht zu allen Highlights im Jubiläumsjahr.

 

 

Mitten im mentalen Jubiläumstaumel wollen wir zusammen mit Hirvi in die Zukunft schauen. Was hat das Institut geplant? Was werden Hirvis Ziele in den nächsten Jahren sein?

Sie macht klar, dass man sehr stolz darauf sei, in den vergangenen Jahren viele neue Zielgruppen erreicht zu haben und ein großes Ziel nun, die Überwindung weiterer sozialer Klassen wäre. Sie wolle neue soziale Klassen ansprechen und für das Land und die Themen begeistern. In Veranstaltungen gesprochen weist sie auf die Inszenierung von Kalevala, dem finnischen Nationalepos von Elias Lönnrot hin, das mit lokalen Akteuren erarbeitet wird, sowie auf die Partnerschaft mit dem Berlin Circus Festival Ende August 2017. Auf das Jubiläumsjahr folgt 2018 außerdem das Gedenken an „100 Jahre Bürgerkrieg“. Hier lässt sie sich jedoch noch nicht in die Karten schauen, wie dieser Anlass von Institutsseite bearbeitet würde.



Zu guter Letzt soll es um Berlin gehen. Wir fragen Hirvi, die auch in den USA gelebt hat, wie sie die Berliner Kulturszene bewertet und was Berlin eigentlich für sie ist?

„Eine Stadt, die Kreativität fördert, erlaubt und zulässt.“ Mit anderen Worten: „Krass, was hier so sprudelt!“ Die Bewunderung der Ansammlung großer Namen, wie Sascha Waltz etc. ist nicht zu übersehen. Die Lebensqualität, was Mieten und Kulturangebote angeht, betont Hirvi und vergleicht dies rückblickend mit ihren Stationen. In diesem Zusammenhang kann sie jedoch eine Sehnsucht nicht verbergen. Es ist die Sehnsucht nach Natur. Hier könnten die Berliner Parks nun wirklich nicht mit Finnland und der dortigen Ruhe mithalten.

Zum Abschluss halten wir das Treffen vor dem vermeintlich finnischen Dom von Retulainen fest, der sich beim genaueren Hinschauen als das Völkerschlachtdenkmal in Leipzig entpuppt und man sich gewiss sein kann – hier, im Finnland-Institut, ist nicht nur Finnland zuhause.


Das Gespräch mit Laura Hirvi führten Franziska-Doreen Hornung, Charlotte Epple und Hans-Joachim Gruda am 29. Mai 2017.

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Nach einem Buch von Linda May Kallestein | R: Katarina Launing | NO 2014 | 94 Min. | OmdU | Mit Mia Helene Solberg Brekke, Sigrid Welde, Victor Papadopoulos Jacobsen, Ulrik William...
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R: Fridrik Thór Fridriksson | IS/D/DK 1994 | 82 Min | OmeU | Mit Örvar Jens Arnarsson, Rúrik Haraldsson, Sigrún Hjálmtýsdóttir und Otto Sander
Sonntag, 10. September 2017
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Künstler, Säufer und Gelehrte. Skandinavier in Berlin
14:00 - Gummi Tarzan
Nach dem Buch von Ole Lund Kirkegaard | R: Søren Kragh-Jacobsen | DK 1981 | 89 Min. | OmeU | Mit Alex Svanbjerg, Otto Brandenburg, Peter Schrøder, Susanne Heinrich
Mittwoch, 13. September 2017
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Langzeitdokumentation | R: llkka Ruuhijärvi, Ulla Turunen | FIN 2009 | 128 Min. | OmeU

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