| Interview mit Anne Even |
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| "Geschichten von skurrilen und typischen Menschen aus Skandinavien" |
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KULTURHUS BERLIN im Gespräch mit Anne Even. Die ARTE-Redakteurin hat die Reihe "Europas hoher Norden" verantwortet, die täglich um 19.30 Uhr auf ARTE zu sehen ist. KULTURHUS BERLIN: Ab Montag bis Weihnachten ist auf ARTE eine große Serie über die skandinavischen Länder zu sehen. “Europas hoher Norden – die erste allumfassende Reihe über Skandinavien – erzählt Geschichten aus einem Reich der Kontraste. Inwiefern ist es für Ihren Sender etwas außergewöhnliches, jetzt 15 Teile über Skandinavien zu bringen? Anne Even: In der Regel werden von ARTE fünfteilige Reihen in Auftrag gegeben. Also eine Woche eine Region oder auch ein Thema, mal unterhaltender, mal abenteuerlicher, mal wissenschaftlicher. Die Geschichten, die wöchentlich auf ARTE vorgestellt werden, sind vielfältig. Aber 15 Folgen mit einer Länge von je 45 Minuten mit nur einem Fokus, auch wenn es mehrere Länder sind, das ist entschieden schwieriger, nicht nur in der Recherche, der Drehlogistik, der Bearbeitung und Fertigstellung über zweieinhalb intensive Arbeitsjahre. Schließlich wollen wir die Zuschauer drei Wochen lang werktags um 19.30 Uhr vor die Bildschirme locken mit Geschichten aus einer europäischen Region. Im besten Falle, dass sie sich am Freitag schon auf den nächsten Montag freuen, wenn die Reise durch Europas Hohen Norden weiter geht. Eine große Herausforderung auch für uns, die Qualität durchgehend für alle Folgen zu halten, also keine schwächeren Episoden zu haben. KULTURHUS BERLIN: Was war Ihr Grund, "Ja" zu sagen und "Europas Hoher Norden" zu realisieren? Anne Even: Das Exposé von dmfilm/Wilfried Hauke machte gleich sehr deutlich, welches Potential an Geschichten vorhanden war. Welche wunderbaren Landschaften und Kulturen es zu entdecken galt. Natürlich gibt es eine ganze Reihe Dokumentationen über den skandinavischen Raum mit unterschiedlichen Zielsetzungen, aber noch keine umfassende Vorstellung dieser riesigen europäischen Region mit ihren vielen Facetten. So war es auch kein Problem, die Programmkonferenz in Strasbourg zu überzeugen, der Unternehmung zuzustimmen. KULTURHUS BERLIN: Welche Idee gab es, die als "roter Faden" durch die gesamte Dokumentation führen sollte? Anne Even: Wir wollten die großartigen skandinavischen Landschaften in entsprechend großartigen Bildern zeigen. Tausende von Flugkilometern wurden dafür zurückgelegt, um mit dem besten Helikopterkamerasystem der Welt, der CINEFLEX, die Highlights in HD-Qualität einzufangen. Sechs bis sieben Geschichten wollten wir in jeder Folge erzählen, Geschichten von außergewöhnlichen, skurrilen und "typischen" Menschen in ihrem persönlichen- und Arbeitsumfeld, Kulturgeschichten, Naturgeschichten, Tiergeschichten, Essgeschichten, Sommer- und Winter- und Stimmungsgeschichten. Wir wollten einen Sprecher finden, der uns in allen 15 Folgen mit auf die Reise nimmt und erzählt. Diesen "Sprecher" fanden wir in dem wunderbaren Schauspieler Axel Milberg, der ja seine eigene enge Verbindung zu Skandinavien mit einbringt. Wir wollten möglichst viele Originaltöne einfangen und sehr filmisch erzählen, nicht reportageartig. Alles sollte selbst gedreht sein, keine eingekauften Archivmaterialien verwendet werden. Auch kein Einsatz von Musikkonserven, sondern eigene Kompositionen. KULTURHUS BERLIN: Und worin bestanden die Schwierigkeiten? Es gibt ja auch immer Gefahren bei einem solchen Projekt: Hatten Sie keine Angst, Tourismuswerbefilmchen zu produzieren? Anne Even: Schwierigkeiten und Gefahren? Die hätte ich am ehesten erwartet durch das Engagement verschiedener Autoren und Regisseure: Wilfried Hauke als Ideenträger und Hauptinitiator, Sven Jaax, Carsten Prehn, Claas Thomsen und Marcus Fischötter. Aber alle haben sich dem gemeinsamen Ziel von Anfang an verschworen, ohne jeweils die eigene filmische Handschrift und Vorlieben zu verleugnen. Die Autoren waren mir von früheren Arbeiten her bekannt, so dass ich ausschließen konnte, dass wir am Ende Tourismuswerbefilmchen senden. Natürlich werben Filme, die sich mit interessanten Menschen und grandiosen Landschaften beschäftigen, immer auch für die Länder, in denen sie entstanden sind. Wie sollte es anders sein. Wir gehen doch nirgendwo hin mit dem Vorsatz: "Leute, bleibt zu Hause, wir zeigen euch nun die häßlichen Seiten der Welt". Hinschauen und zuhören und natürlich auch genießen. Vor allem werben wir um die Zuschauer für ARTE und die vielen facettenreichen Programme auf den unterschiedlichen Sendeplätzen. KULTURHUS BERLIN: Wenn Sie sich die Filme ansehen, was ist das besondere an Skandinavien, an den Skandinaviern? Anne Even: Mir fallen da gleich Begriffe ein, wie Selbstbewußtsein
und Bodenständigkeit, Nachdenklichkeit, Authentizität. Man spürt,
dass unsere Und der nicht enden wollende dunkle Winter kommt sowieso. Ich bewundere
die Menschen, die sich eine große Lebensfreude und Leichtigkeit
bewahrt haben trotz all der Brüche, die sie in ihrem Leben erfahren
mußten. |
| Das Interview führte Ulrike Schulz, KULTURHUS BERLIN im Dezember 2011. | |
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