| In 8 x 40 Meter großen neon–hell
leuchtenden Buchstaben blickte im Frühjahr 2005 ZWEIFEL vom Dach
des Palasts der Republik auf Berlin herunter. Diese eindrucksvolle Installation
des Norwegers Lars Ø Ramberg sorgte damals für ein enormes
Medienecho, konnte sich die frisch vereinte Bundesrepublik doch einfach
nicht über den Verbleib/Gebrauch/Verbrauch des Hauses einigen.
KULTURHUS BERLIN: Wie und wann ist die Idee zum Projekt
„Zweifel“ entstanden?
Lars Ø Ramberg: Ich bin 1998 als Stipendiat des
Künstlerhauses Bethanien nach Berlin gekommen und habe erstmal geguckt,
wo ich überhaupt bin, was hier passiert, was der aktuelle Diskurs
ist. Ziemlich schnell stieß ich auf die intensive und in den Medien
stark präsente Debatte, um den Palast der Republik und was damit
geschehen soll. Es war eine nationale Debatte, die fragte, wer wir überhaupt
sind – ein Volk oder zwei und überhaupt. Ich habe mich sehr
damit auseinandergesetzt, intensiv nachgeforscht und gelernt, dass es
diese Debatte bereits seit acht Jahren gibt. Ich dachte mir, hier müsste
ich irgendwas machen und habe zusammen mit Assistenten und Leuten, die
sich bereits in der Debatte engagiert hatten, eine erneute Recherche begonnen.
KULTURHUS BERLIN: Aber ging es gerade bei der Debatte
um den Palast der Republik, nicht eher um die Befindlichkeiten der Ostdeutschen?
Lars Ø Ramberg: Selbstverständlich. Ich
finde das Gebäude hätte man überhaupt nicht abreißen
dürfen, denn das Gebäude hat einen historischen Wert. Es ist
dabei auch egal, ob man es hässlich findet oder nicht. Ich finde,
es ist ein sehr schönes Gebäude, das leider wegen der so genannten
Asbestbeseitigung zerstört wurde. Wenn man Bilder vom neu gebauten
Palast der Republik anschaut, sieht man Parallelen zu Le Corbusier, Mies
van der Rohe, den Modernisten aus den 50er und 60er Jahren oder sogar
früher. Das Argument, dass er sei hässlich oder, dass er nicht
zur Architektur von Unter den Linden passen würde, finde ich lächerlich,
denn was passt zu Unter den Linden? Unter den Linden ist eine historische
Meile, und der Palast ist ein Teil der deutschen, der internationalen
oder sogar globalen Geschichte. Historisch gesehen, gehört er zu
den wichtigsten Gebäuden in Berlin und in Deutschland überhaupt.
Dort wurden die große Entscheidung hinsichtlich der Berliner Mauer,
hinsichtlich des Kalten Krieges getroffen. Es ist traurig, dass man diesen
Einfluss in Deutschland nicht sieht, und deshalb hätte man ihn überhaupt
nicht abreißen sollen. Und das sage ich nicht als Ostalgiker, sondern
als „Historiker“ oder „Philosoph“. Das Kolosseum
in Rom wird auch nicht abgerissen, obwohl dort so viele fürchterliche
Sachen passiert sind. Als fester Bestandteil der Geschichte Italiens würde
man gar nicht auf die Idee kommen.
Vor dem Hintergrund, dass Norwegen so eine junge Nation und unsere Geschichte
sehr kurz ist, hat mich das als Norweger sehr beeindruckt und ich kann
eigentlich nur neidisch werden, dass Deutschland so eine aktuelle und
lebendige Geschichte hat. Wenn man Unter den Linden entlang geht, durchläuft
man ein paar Jahrhunderte deutsche Geschichte LIVE und in Farbe. Der Palast
war so eine schöne Dialektik zu Bismarck und Humboldt oder dem Brandenburger
Tor. Der Abriss des Palastes zerstört die Heterogenität der
Stadt – ihr großes Kapital. Wenn die Touristen etwas Schönes
sehen wollen, fahren sie nach Paris oder Rom. Nach Berlin kommen sie wegen
eben der Heterogenität und der Brüche. Die Besucher wollen keine
historischen Attrappen und eine Disney Version von Geschichte. Das ist
nur peinlich.
KULTURHUS BERLIN: Wie bist Du auf den Titel „Zweifel“
gekommen?
Lars Ø Ramberg: „Zweifel“ war für
mich am Ende eigentlich eher ein Mantra als ein Titel, denn ich wollte
mich eher auf die Debatte beziehen. Egal ob pro oder kontra, für
mich ging es um die lebendige Debatte selbst, die wirkliche Demokratie
widerspiegelt. Für mich ist das großartig, denn die Debatte
widerspricht allen Vorwürfen gegenüber Deutschland, die ich
noch aus der Kindheit kenne. Man dachte nur, Deutsche sind Faschisten
oder Kommunisten oder egal was, aber immer extrem, immer unreflektiert
und unausgewogen. Aber während dieser Debatte um den Palast ist mir
klar geworden, dass diese langwierige Diskussion ein Beweis dafür
ist, dass Dinge sich geändert haben, dass Zweifel bestehen. Es geht
gar nicht, um die realen Ergebnisse, denn 16 Jahre Konsenslosigkeit sind
qualitatives Ergebnis genug. Und das fand ich so wahnsinnig toll, und
da bin ich echt neidisch. In meinem Vaterland gibt es so was nicht. Man
entscheidet sich Pang Pang, man will keine Zeit verschwenden, man ist
so wahnsinnig effektiv – ohne nachzudenken, ohne Zweifel. Und ich
wollte zeigen, dass kulturelles Kapital aber damit verbunden ist, was
Leute sagen: Wenn man die deutsche Geschichte zurückhaben will, muss
man Zweifel bekommen. Alle großen Philosophen haben proklamiert,
dass man die Welt durch Zweifel – durch kritisches Nachdenken –
besser verstehen kann. Wenn man gleichzeitig nach vorne und nach hinten
schaut, das heißt, sich historisch bewusst ist, aber gleichzeitig
zeitgenössisch denken will, dann ist Zweifel das Mantra. Der Wiederaufbau
des Schlosses ist reaktionär, denn es gibt hier keinen Kaiser mehr.
In dieser Konsequenz müsste man gleich die Demokratie abschaffen.
In dem Moment, wo man alles hinnimmt, ist man wieder auf der falschen
Spur. Und nach der Wiedervereinigung gab und gibt es Zweifel. Zweifel
ist aktuell und real und Voraussetzung, um Dinge zu ändern.
KULTURHUS BERLIN: Deine Installation auf dem Palast
der Republik erfolgte in einer Zeit, als der Abriss längst beschlossen
war. Was war Deine Intention?
Lars Ø Ramberg: Meine Intention war es, ein Denkmal
zu machen, denn Berlin ist auch die Stadt der Denkmäler. Ich wollte
aber ein Denkmal über den Diskurs, über die Zweifel, über
die Offenheit und die Transparenz von heute machen. Es sollte nichts abgeschlossenes
sein, denn alle Denkmäler schließen die Geschichte ein wie
ein Concon Kokon. So nach dem Motto: So war’s damals. Das war schlecht,
das war gut – fertig. Ich wollte ein Denkmal machen, dass dieser
Denkmalkultur widerspricht. Denn die sind so wahnsinnig selbstbewusst
und denken die haben alles verstanden.
KULTURHUS BERLIN: Wer sind die?
Lars Ø Ramberg: Die Historiker, Politiker und
private Institutionen, die Denkmäler über große abgeschlossene
historische Tatsachen machen. Zumindest denken oder hoffen sie, dass damit
auch das historische Ereignis abgeschlossen ist. Ich meine, wenn man beispielsweise
ein Holocaust-Denkmal machen will, sollte man es eigentlich jeden Tag
neu erfinden, denn Geschichte ist jeden Tag präsent. Häufig
ist es aber so, wenn das Denkmal erstmal steht, wird das Ereignis als
beendet betrachtet, und damit beschäftigen muss man sich nicht mehr.
Ich wollte ein Denkmal machen, dass sich sogar selbst widerspricht.
Es sollte sehr schön, groß, ästhetisch und monumental
aussehen, aber mit dem Schriftzug ZWEIFEL den Betrachter fragend zurücklassen.
Als Norweger konnte ich die Berliner bzw. die Deutschen nicht belehren,
aber ich wollte ihnen zeigen, dass die Debatte viel wichtiger ist, als
ein Schloss zu bauen oder einen Palast abzureißen. Denn die Debatte
ist einzigartig in der Welt. Es gibt keine anderen Länder, die 16
Jahre brauchen, um über ein Gebäude zu entscheiden, denn es
ging ja eigentlich gar nicht um das Gebäude, sondern um das Volk.
Und das finde ich sehr toll, und das wollte ich feiern und dem Ganzen
ein Denkmal setzen. Ich wollte sagen: Das habt ihr gut gemacht, das ist
toll. Macht weiter so. Nicht aufhören, nie aufhören zu zweifeln.
Denn das ist der Grund, warum ich überhaupt hier wohne.
KULTURHUS BERLIN: Welche Reaktionen gab es auf die Installation
auch im Hinblick auf Deine Nationalität als Norweger?
Lars Ø Ramberg: Ich war sehr kritisch gegenüber
meiner eigenen Rolle als Norweger, denn ich dachte, ich könnte irgendjemand
auf die Füße treten. Deswegen habe ich, bevor ich mit dem Projekt
begonnen habe, viele Leute gefragt, und alle haben mich darin bestärkt,
es durchzuführen. Wenn Du Ossi wärst, würdest du sofort
in einer Sackgasse landen, und wenn Du Wessi wärst, dann würden
alle denken, du machst Witze auf Kosten der Ossis. Aber als Norweger sind
meine Aussage und ich sehr schwierig einzuordnen. So kam ich als Außenstehender
in die Debatte, und die Ost–West–Polarisierung wurde neu aufgerollt.
Genau das war auch meine Absicht. Ich wollte zeigen, dass die Welt nicht
polarisiert ist, nicht schwarz oder weiß, sondern viel mehr. Es
gibt nämlich einen dritten Pol, und dieser Pol heißt Zweifel.
Zu Zweifel gibt es nämlich keinen Gegenpol, und das finde ich sehr
interessant.
KULTURHUS BERLIN: Welche Reaktionen kamen, als die Installation
bereits stand?
Lars Ø Ramberg: Die Reaktionen waren nur positiv.
Es ging dabei immer mehr um meine Aussage, als um meine Nationalität.
Meine Rolle als Künstler, als Aktionist und als Produzent von ästhetischen
Objekten war gefragt, und das fand ich toll. Da ist mir auch klarer geworden,
warum ich mich in Berlin so wohl fühle. In Berlin wird Kunst als
Äußerung von Intelligenz wahrgenommen und nicht nur als Farbe
und Form.
Man wird hier nicht sofort zu einem Handwerker, Illustrateur oder Bildmacher
reduziert, sondern als Denker wahrgenommen. Denken bedeutet in diesem
Fall nicht nur das akademische Denken, sondern auch an der Realität
teilzunehmen, seinen Platz einzunehmen und Zwischenräume zu besetzen
– die Fugen zwischen dem großen Backstein.
Auch wenn ich der Meinung bin, dass das Haus nicht abgerissen werden
sollte, war meine Kritik auch eine zweiseitige. In der DDR durfte man
per se nicht zweifeln. Aber auch im Westen nicht, und das ist, was man
heute schon wieder vergessen hat – der Westen ist genauso didaktisch
und demagogisch wie der Osten. Aber der Westen hat gewonnen, und dadurch
ist es weniger offensichtlich. Daher war es für mich auch eine Kritik
an allen Systemen und allen Ideologien, an alle Religionen, an allen Wahrheiten.
An allen Truismen, an die man überhaupt denken kann, dass man weiß
worum es geht, gestern, heute und morgen.
KULTURHUS BERLIN: Wie konntest Du dieses große
Projekt letzten Endes durchsetzen? An wen musstest Du Dich speziell wenden?
Lars Ø Ramberg: Um das Projekt überhaupt
durchführen zu können, habe ich die letzten drei Jahre meiner
Arbeit sehr intensiv genutzt, um eine Lobby zu schaffen, um Kontakte zu
knüpfen und um es finanzieren zu können. Es gab zwar eine Zusage
vom Berliner Senat, aber Frau Christina Weiß (damalige Beauftragte
der Bundesregierung für Kultur und Medien, Red.) hatte seinerzeit
persönlich interveniert. Sie lehnte die finanzielle Unterstützung
des Projektes mit der Begründung ab, wenn es überhaupt eine
Ausstellung im Palast der Republik geben sollte, dann darüber, wie
schlecht es im Osten war. Wahrscheinlich hat sie gedacht, wenn es kein
Geld gibt, dann werde ich das Projekt auch nicht durchführen. Aber
es gab ja die Erlaubnis – nur keine Finanzierung. Dann habe ich
2004 einen norwegischen Sponsor – eine norwegische Ölfirma
– gefunden, die Interesse hatte, ZWEIFEL als Teil eines Projekts
für das norwegische Nationaljubiläum in Jahre 2005 zu nutzen.
Ich sollte allerdings etwas in Norwegen machen und habe daher vorgeschlagen,
dass Projekt als erste Stufe in Deutschland durchzuführen und ein
Jahr später ins Norwegische zu übersetzen. Und so stand die
Finanzierung – aus norwegischen Geldern, und die waren eigentlich
für das norwegische Nationaljubiläum vorgesehen. Die Berliner
haben wohl einen Schock bekommen, denn plötzlich hatte ich das Geld,
und die Genehmigung gab es ja noch.
Als ich im Januar 2005 schließlich mit den Aufbauarbeiten am Palast
begonnen hatte, kam eine Gruppe Abgeordneter mit dem Taxi vorbeigefahren,
und die sind zu mir aufs Dach hochgeklettert. Sie fragten, was hier passiert,
guckten sich immer wieder an, flüsterten und wirkten ziemlich nervös.
Schließlich fragten sie mich, ob sie das finanziert hätten
und waren sichtlich erleichtert, als ich die Frage verneinte. Danach waren
sie ganz herzlich und sagten, wie toll sie das Projekt fänden, und
das es das Tagesthema im Bundestag war. Herr Flierl hat es später
dem Bundestag noch mal vorgestellt und wurde damit quasi dort zum Godfather
meines Projektes. Der damalige Botschafter Björn Tore Godal hat die
Installation Ende Januar 2005 schließlich eröffnet. Ohne die
Unterstützung der Sponsoren, die Hilfe vieler Politiker und der Norwegischen
Botschaft hätte ich das Projekt nicht realisieren können.
KULTURHUS BERLIN: Im Oktober 2007 findet in Berlin im
Rahmen des gleichnamigen Projekts „Zweifel“ eine Konferenz
mit dem Titel „Anerkennung“ statt, zu der Du auch eingeladen
bist. In welchem Verhältnis stehst Du zu diesem Projekt, das denselben
Namen trägt?
Lars Ø Ramberg: Ich finde es toll. Die Leute,
die diese Konferenz durchführen, kommen u. a. aus Norwegen und bei
dem Stichwort - Anerkennung. Auch sie haben mein Projekt sehr gelobt und
mich höflich gefragt, ob sie ihr Projekt auch so nennen dürfen.
Was ich an ihrem Projekt toll finde, ist, dass sie versuchen, Zweifel
in mehr allgemeinen Termini zu interpretieren. Das Projekt ist ganz breit
gefächert und besteht aus Medizinern, Sozialwissenschaftlern, Philosophen
und Politikern. Sie betrachten Zweifel auf der zeitgenössischen Ebene,
als Logo oder Mantra. Denn auch in der Wissenschaft und Forschung ändern
sich die Sichtweisen – die Wissenschaftler erkennen, dass auch sie
ihre Grenzen haben. In der Rauschforschung beispielsweise, ist eben nicht
alles schwarz und weiß, denn es geht darum, nicht nur die Patienten
zu belehren, sondern auch selbst etwas von den Patienten zu lernen. Diese
Verschiebung finde ich wahnsinnig gut. Und wenn ich mit meiner Arbeit
Inspiration für Wissenschaft und Wirtschaft geschaffen habe, dann
finde ich das erst recht toll. Ich sehe meine Kunst nicht isoliert, sondern
als Teil der Gesellschaft. Wenn sie wahrgenommen wird, kann sie etwas
in Gang setzen wie eine Art Generator oder Rakete. Deshalb finde ich es
genauso toll, dass der Spiegel ein zweiseitiges Bild vom Palast des Zweifels
druckt, wenn sie einen Artikel „Eine Nation auf der Suche“
darüber schreiben, wo Deutschland nach 60 Jahren steht. Es ist für
mich das schönste, dass ich nicht nur in Kunstmagazinen der Welt
lande, sondern auch in der Politik zitiert werde, wo ich einmal angefangen
habe. Das ist für mich ein Zeichen dafür, dass ich richtig liege
und dass ich ernst genommen werde, und zwar nicht als Demagoge, nicht
als Besserwisser, sondern eben auch als Zweifler.
KULTURHUS BERLIN: Was machst Du auf der Konferenz genau?
Lars Ø Ramberg: Bei der Konferenz mache ich eine
Führung mit dem Boot. Wir fahren am Palast der Republik vorbei bis
hin zum Kanzleramt und zum Hauptbahnhof, wo die neue Stadt entsteht. So
kann man den Palast auch in einem größeren Kontext betrachten.
Der Palast der Republik bzw. der Palast des Zweifels, wie er für
mich immer noch heißt, steht ja nach wie vor und ist eine aktive
und immer noch hübsche Ruine. Und selbst als Ruine, mit jedem Stahlträger
der abmontiert wird, wird das Gebäude präsenter. Ich glaube,
in dem Moment wo er vollständig abgetragen ist, schwebt ein Gedächtnis
oder ein Bewusstsein über dem Palast des Zweifels. Damit meine ich
nicht den Palast, wie er zu DDR–Zeiten dort gestanden hat, sondern
ein Nachbild von diesen 16 Jahren Debatte, die so echt und so authentisch
war. Interessanterweise hat der Palast des Zweifels nämlich länger
gelebt, als der Palast der Republik. Der Palast der Republik war 12 Jahre
in Funktion, aber der Palast des Zweifels ist viel länger ein aktives
und diskutiertes Objekt gewesen. Ich denke, das wird auch noch die nächsten
hundert Jahre so bleiben.
KULTURHUS BERLIN: Und was erfolgt nach Zweifel? Annerkennung?
Ruhm und Ehre? Oder Erkenntnis?
Lars Ø Ramberg: Erkenntnis ist sehr wichtig.
Persönlich fühle ich mich seit dem Projekt in Berlin vor allem
respektiert, und zwar als jemand, der nicht nur zuguckt, sondern einen
Beitrag geleistet hat. Ich bekomme immer noch viel Lob dafür, dass
ich so viel in diese Stadt investiert habe – in diese hässliche
Stadt Berlin, wo alle jammern, dass sie kein Geld haben, aus der alle
eigentlich weg wollen. Aber trotzdem funktioniert Berlin wie ein Magnet,
der Millionen von Menschen anzieht, um eben die Brüche und Heterogenitäten
der Stadt zu erleben. Ich kann nur hoffen, dass selbst wenn der Palast
abgerissen ist, Berlin niemals so homogen und so schön wird, wie
es viele Politiker erhoffen. Wir wissen alle was passieren könnte,
wenn man eine Stadt oder eine Nation homogen machen will, oder schön
oder rein oder heil oder wie auch immer man das nennt. Ich finde gerade
diese Präsenz der Unreinheit ist das, was Berlin immer noch absolut
zu einem Unikat macht. Wenn ich dazu beigetragen habe, dann bin ich wahnsinnig
glücklich.
Das Gespräch führte Frauke Stuhl
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