| Rezension: Das Auge des Wals |
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Mit den Augen des Kindes Auf den Färöern groß werden – Arthur Krasilnikoffs autobiografisch inspiriertes Buch |
Arthur Krasilnikoff Verlag Martin Wallmann (Hvalens Øje; |
In den späten 1940ern lebt der kleine Astur mit seiner dänischen Familie für ein paar Jahre auf den Färöern. Er bestaunt die Welt, erlebt große und kleine Geschichten und muss schließlich Abschied von den Inseln und seiner Kindheit nehmen. Arthur Krasilnikoff interessiert sich für fremde Welten. Weit entfernte Welten wie die der Buschmenschen der Kalahari-Wüste oder die fremde Welt in uns, das Irrationale unter der gesitteten Oberfläche. In „Das Auge des Wals“ spürt er in gewissem Sinne einer versunkenen Insel nach: den Färöern in den Jahren kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, gesehen mit den Augen eines Kindes. Diese Kinderwelt beinhaltet viele ganz normale, wunderbare Dinge, wie die Sprache der Möwen, die man bloß noch lernen muss, oder das wahre Wesen der Felseninsel Nolsoj, die auf gewisse Weise zu dem Jungen spricht. Und sie ist voll von Rätseln: Was soll ein schlechtes Gewissen sein, warum ist die Soldatenfreundin so allein, warum ist er selbst ein Däne und kein Färinger? Und was sind das für unerklärliche, unaussprechliche Dinge, die mit ihm geschehen, wenn er manchen Frauen nahe ist? Der Roman ist autobiografisch inspiriert und erzählt sehr nah, sehr
persönlich in 111 Sequenzen von den innersten Eindrücken des
Kindes, jedoch immer in den Worten des alten Mannes, der sich erinnert
und versucht, die Dinge zu ordnen und zu deuten. Die Offenheit des Kindes,
das seine Umwelt mit allen Sinnen wahrnimmt, gibt Krasilnikoff durch einleuchtende,
spannende synästhetische Verknüpfungen von Klang und Bild und
Geruch wider. Kurze Träumereien und nur wenig längere Geschichtchen
reihen sich zu einem Gesamtgefüge, das einerseits Zeitgeschichte
erzählt, wie z.B. die Stationierung englischer Soldaten auf den zu
Dänemark gehörenden Inseln und die Unabhängigkeitsbestrebungen
der Färinger. Andererseits gibt das Buch aber vor allem Einblick
in die nahe, fremde Welt eines Kindes, das weiß, dass man fliegen
kann, wenn man nur wirklich daran glaubt, bis es schließlich doch
die Erklärungen der Erwachsenen übernimmt. |
| Malte Piersig | |
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