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Johan Harstad Buzz Aldrin, wo warst du in all dem Durcheinander |
Originaltitel: Deutsche Ausgabe: Piper
Verlag 2006 |
Dienstag. Der langweiligste und nichtssagendste Tag der Woche. So denkt Matthias nicht erst, als sein Leben plötzlich aus lauter Dienstagen zu bestehen scheint. Nachdem ihn seine Freundin verlassen und er seinen Job als Gärtner verloren hat, strandet er dreißigjährig von Norwegen auf den Färöern, wo sein Leben, wie er es kannte, eine plötzliche Wende nimmt. Eigentlich sollte er den Soundcheck für den Bandauftritt seines Freundes Jörn in Thorshavn übernehmen. Doch dazu kommt es nicht. Mit 15 000 Kronen in der Tasche, blutiger Nase und ohne Erinnerung an die letzten Tage, kommt er auf einer dunklen Straße in Tórshavn wieder zu sich … Hier sammelt ihn Havstein, der Leiter einer Reha-Einrichtung für psychisch Kranke auf und nimmt ihn mit zu sich in die „Fabrik“, die von da an Matthias´ neues Zuhause wird. In Gedanken immer bei ihm ist Buzz Aldrin, der zweite Mann auf dem Mond. Ihm fühlt sich Matthias verbunden, seit er in dem Moment das Licht der Welt erblickte, als Aldrin den Mond betrat. Mit der Zeit gibt Matthias sein Ideal des ewig Zweiten, ein Buzz Aldrin auf Erden zu werden, auf, und stellt fest, daß ihm seine wiedergewonnene Präsenz neue Freunde schenkt, die er nicht mehr aufgeben will. Doch bis ihn diese Erkenntnis erreicht, muß er einen mühsamen Weg hinter sich bringen, auf dem er den Wunsch, einfach ein nützliches und unauffälliges Rad im Getriebe zu sein, zu verschwinden, langsam losläßt. Auf den Faröern muß er feststellen, daß das Verschwinden gar nicht so einfach ist. Nach und nach erreicht ihn die Einsicht, daß, wenn er sich nur ein klein wenig gegenüber anderen Menschen öffnet, es immer jemanden geben wird, dem er und der ihm etwas bedeutet. Harstad (geb. 1979 in Stavanger) beschreibt den Weg eines jungen Mannes,
dessen Leben aus den Fugen gerät, als er seine beiden wichtigsten
Haltepunkte verliert: seinen Job und seine langjährige Freundin.
Trotz eines ausgeprägten Talents zum Singen zieht es die Hauptperson
nicht ins Rampenlicht, sondern in den unauffälligen Schatten seiner
karrierebestrebten Freundin, seines lebenslustigen Freundes oder seines
Chefs. Harstad zeigt die Zerrissenheit und Unsicherheit eines Menschen
auf der schwierigen Suche nach seinem Platz in der Gesellschaft. Er zeichnet
das Bild eines Antihelden, dessen Selbstfindung streckenweise einem Roadmovie
gleicht und insgesamt ein wenig zu lang gerät. Seine Reise führt
von Norwegen über die Färöer und die Karibik schließlich
wieder nach Stavanger. Die teilweise über Seiten gehenden Sätze
spiegeln die Ruhelosigkeit des Charakters zwar sehr gut wieder, strapazieren
aber zeitweilig die Geduld des Lesers. |
| Inken Dose | |