| Rezension |
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Pfeifend in den Sonnenaufgang. Wie ein Kopenhagener mit der Landbevölkerung klarkommt - und was dabei aus ihm wird |
Erling Jepsen Aus dem Dänischen von Ulrich Sonnenberg Frygtelig lykkelig |
Ein Buch über das unbekannte Dänemark hat Erling Jepsen geschrieben. Er widmet sich Südwestjütland. Das liegt ganz unten links, an der Grenze zu Schleswig-Holstein, und ist mit Nordsee, Schlick und Schlamm gesegnet. Nicht nur das unterscheidet Südwestjütland von Südostjütland. Im südwestlichen Zipfel läuft vieles anders. Anders auch als im Rest Jütlands und im Rest Dänemarks sowieso. Größere Städte sucht man in Südwestjütland vergebens. Kopenhagen ist weit. Die Zivilisation ist es auch. Das weiß Robert, schon bevor er aus der Hauptstadt in die Provinz kommt. Er geht nach Højer, um dort der neue Landpolizist zu werden. Aus welchem Grund will „wohl ein junger, in Kopenhagen ausgebildeter Mann so weit weg von allem“? In der Kleinstadt, die mehr einem Dorf gleicht, macht man sich so seine Gedanken. Es steht schließlich zu befürchten, „daß hierher nur das übliche Gesindel geschickt“ wird, „Leute, die anderswo keinen Job mehr“ bekommen. „Hier passiert wirklich nicht die Welt“, das sind die wichtigsten
der wenigen Worte, die der alte Ortspolizist zu seinem jungen Nachfolger
spricht. Gegen ein wenig Ruhe hat Robert nichts: Eine Scheidung, den fiesen
Schwiegervater, die Trennung von seiner Tochter und eine nervenaufreibende
Mutter im Rollstuhl hat er hinter sich. In die neuen Aufgaben eines Landpolizisten
- Ein Huhn auf der Straße? Keine Panik! - arbeitet er sich schnell
ein. Der Anblick von Kühen, die mit Traktoren aus morastigen Feldern
gezogen werden, gehört ab jetzt zum Aufregenderen in Roberts Dienstalltag.
Am Weidezaun erfährt der Neue alles darüber, wie man schon Kühe
herausgezogen hat, die tatsächlich bis zum Hals im Schlick steckten.
Und wie man einmal ein Wildschwein mit den bloßen Fäusten gefangen
hatte. Oder, daß Ost-Südjütländer leichtsinnige Typen
sind, bei denen man besser kein Auto kauft. An Strohdächer, Gummistiefel,
Starkbier und den kleinlichen Kneipenkrawall gewöhnt sich Robert
so schnell wie an die ländliche Ruhe, das Vogelgezwitscher und den
Büromittagsschlaf. Aber Robert ist einer, der immer nur das Beste für alle will. Als guter Polizist ist er stets um Ausgleich in der Gesellschaft, das heißt Nachbarschaft, bemüht. Deshalb begreift er auch nicht, wie jemand auf die Idee kommen kann, eine so wunderbare Frau wie Ingerlise zu schlagen. Und wenn es das Letzte ist, was er tut, Robert will diesem Zustand ein Ende bereiten. Er nimmt den Kampf auf. Was jetzt passiert, ist von einem so lieben Menschen wie Robert kaum zu meistern: Das Buch wird um einige Leichen reicher. Der neue Landpolizist macht eine fulminante Entwicklung. Unglaubliche Typen tauchen auf. Unheil über Unheil geschieht. Und Roberts mühsames Streben nach Normalität wird permanent erschwert durch Neugierde, Nachbarn und Nähe. Wer jemals daran dachte, aufs Land zu ziehen, dem sei schon einmal Roberts Fazit serviert: „Man muß miteinander umgehen, man ist einander ausgeliefert.“ Wie das Leben so ist, geht die Geschichte dann noch ganz gut aus. Für Freunde schöner abgedrehter Geschichten ist „Dreck
am Stecken“ eine Leseempfehlung. Einen einzigen kleinen Makel hat
das Buch: Das Fleischwarenfachgeschäft wird mit „Metzger“
übersetzt, und das ist doch sehr bräsig süddeutsch. Bei
„Schlachter“ zu bleiben und das auch so zu nennen klingt einfach
südwestjütländischer. |
| Ulrike Schulz | |