Das dänische Bibliothekswesen ist international erstklassigDänemark ist mit seiner Bibliotheksarbeit international ein Vorreiter bei der Verteidigung des Rechtes auf den allgemeinen und kostengünstigen Zugang zu Information und Wissen. So sehen es die deutschen Bibliothekare. Auf ihrem diesjährigen "Kongress für Information und Bibliothek" war Dänemark das Gastland. Und etwa 3000 Bibliothekare und andere Informationsspezialisten aus Deutschland lernten mit dem dänischen ein Bibliothekssystem kennen, das weltweit als vorbildlich gilt. "Können Sie sich vorstellen, dass Kulturstaatsminister Neumann
anregt, deutsche Bibliotheken mögen ein Serviceangebot entwickeln,
das allen Bürgern ermöglicht, kostenlos Filme aus dem Internet
herunterzuladen, damit der allgemeine, kostenfreie Zugang zur Information
gewahrt bleibt und kommerzielle Unternehmen dieses Recht nicht aushöhlen?
Und dass dieses Projekt dann auch noch mit staatlichen Mitteln finanziert
wird?" Florian Nantscheff, der Leiter der Stadtbibliothek Lörrach,
weiß, dass seine Frage rhetorischer Natur ist. Dennoch ist sie keineswegs
aus der Luft gegriffen – denn: "In Dänemark ist so etwas
selbstverständlich!" Ausgezeichnete Vernetzung der BibliothekenDie kleine deutsche Delegation von Bibliothekaren, die in Aarhus zu Gast war, ist mit ihrer Begeisterung nicht allein. Das dänische Bibliothekswesen gilt generell im internationalen Vergleich als mustergültig. Jens Thorhauge erklärt, warum. Er ist der Direktor von Biblioteksstyrelsen, der zentralen Steuerungsagentur für Bibliotheken in Dänemark. "Das dänische Bibliothekswesen bildet ein kohärentes System, in dem alle Bibliotheken über eine gemeinsame Infrastruktur miteinander verbunden sind." So können etwa über den nationalen Internetkatalog www.bibliotek.dk aus allen Beständen des Landes kostenlos Medien in jede Bibliothek der Wahl bestellt werden. Dazu benötigt man nicht einmal einen speziellen Bibliotheksausweis. Die Dänen können die Angebote ihrer Bibliotheken mit ihrer Krankenversicherungskarte nutzen. Verlässliches staatliches Engagement Bibliotheken sind in der dänischen Gesellschaft fest verankerte
Institutionen. Seit 1920 gibt es ein Gesetz, das den Bibliotheken eine
zentrale Rolle in Kultur und Bildung zuschreibt und festlegt, dass jede
Kommune eine öffentliche Bibliothek unterhalten muss. "Der
Staat engagiert sich stark und verlässlich", erklärt Jens
Thorhauge. "Zudem verfügen die öffentlichen Bibliotheken
im Allgemeinen über eine gute finanzielle Ausstattung durch die Kommunen." Verwirklichung ethischer Grundsätze"Zu den ethischen Grundsätzen unserer Arbeit gehört der freie und gleichberechtigte Zugang zu jeder Art veröffentlichter Information – ganz egal, wie sie nun gespeichert ist." Um für Gleichberechtigung zu sorgen, sprechen die Bibliothekare in Dänemark verstärkt jene Bevölkerungsgruppen an, die gemeinhin Probleme haben, die Angebote der Bibliotheken zu nutzen. "Ein gutes Beispiel dafür sind die Projekte, mit denen wir versuchen, ethnische Minderheiten zu erreichen." Dazu gehört mit www.finfo.dk ein Portal für Immigranten, das in elf Sprachen über die dänische Gesellschaft – über Aspekte wie Arbeit, Gesundheit, Staatsbürgerschaft etc. – informiert und praktische Hilfen anbietet. Dazu gehören aber auch Bibliotheks-Cafés, in denen Kinder mit Migrationshintergrund Platz, Ruhe und die nötige Ausstattung finden, um ihre Hausaufgaben zu machen. Solche Initiativen der letzten Jahren zeigen schon jetzt Erfolge: "Heute nutzen ethnische Minderheiten die dänischen Bibliotheken im Durchschnitt sogar häufiger als die ethnischen Dänen", berichtet Thorhauge. Auch Florian Nantscheff hat in Dänemark erlebt, wie die Bibliotheken
von ganz unterschiedlichen Zielgruppen als offene Lernorte genutzt werden.
Im Aarhuser Stadtteil Gellerup etwa, wo über 60 Prozent der Einwohner
ausländischer Herkunft sind und die Hälfte der Menschen von
Sozialhilfe leben. Dort werden Computerkurse für Migranten angeboten.
Ihre Lehrer, die "IT-Guides", sind meist selbst Migranten,
die zwar in technischen Berufen gut ausgebildet sind, aber aufgrund ihrer
Herkunft Schwierigkeiten haben, eine Arbeit zu finden. Und in der Aabi Bibliothek in Aarhus lernte Nantscheff schließlich
eine erfolgreiche Initiative für leseschwache Kinder kennen. Mit
Hilfe von vielfältigen multimedialen Angeboten wecken die Bibliothekare
bei dieser schwierigen Zielgruppe Lust am Lernen und an Informationen. Dagmar Giersberg |
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