In den Lofoten
 

Ein Ausflug von Finnland ans Ende Norwegens

Der Tag Mitte März in Rovaniemi verlief eigentlich wie ein ganz normaler: nach mehreren Stunden im Büro entschloss ich mich, nun nach Hause zu gehen. Doch beim Hinausgehen fragte mich mein Kollege: „Hast Du Lust, morgen mit auf die Lofoten zu fahren? Wir fahren hin, besuchen auf dem Weg Gällivare und Kiruna, verbringen 48 Stunden auf den Lofoten und fahren wieder zurück.“ Ich zögerte nicht lange und stimmte zu.

Am nächsten Tag saßen wir im Auto. Die Strecke von Rovaniemi nach Å, dem kleinen, am äußersten Zipfel der norwegischen Inselgruppe gelegenen Örtchen, beträgt ca. 920 Kilometer durch lappländische Wälder, Taiga und Tundra, sowie über norwegische Berg- und Inselserpentinen. Da wir erst am Nachmittag losfuhren, erreichten wir das kleine schwedische Städtchen Gällivare am frühen Abend in tiefster Finsternis. Es gab nicht viel zu sehen – Gällivare ist eine typisch nordschwedische Siedlung, deren Gründung auf eine Eisenerzmine zurückzuführen ist. Gleiches gilt für das Eisenerz-Städtchen Kiruna, das wir spät in der Nacht erreichten. Besonders in Kiruna ist jedoch, dass die Stadt aufgrund der hohen Bergbauaktivität komplett verlegt werden muss, da große Teile in die Stollen absacken und die gesamte Integrität der Stadt in Gefahr ist. Die Weiterfahrt führte uns durch Abisko, das schwedisch-norwegische Grenzgebiet und die norwegischen Fjorde, bis wir zur aufgehenden Sonne die Lofoten-Hauptstadt Svolvær erreichten — ein kleines Örtchen, das primär vom Fischfang lebt. Müde und erschöpft präsentierten sich uns in der Ferne die Lofoten in der aufgehenden Sonne. Ein Anblick, der unvergessen bleibt. Schnell machten wir uns wieder auf den Weg, um unsere Hütte in Å beziehen zu können, die noch 120 Kilometer entfernt war. Der Straße folgend, erhoben sich um uns die Lofoten majestätisch aus dem Meer. Rau und erhaben boten sie ein Bollwerk gegen Wind und Wellen, während Wolkenfetzen ihre Gipfel umspielten.

Beim Durchfahren der kleinen Ortschaften fielen uns immer wieder Gestänge mit hunderten aufgehängten Fischen auf – Trockenfisch, die Spezialität der Lofoten. Laut Aussagen der Inselbewohner wird er nach Europa und in alle Welt verkauft, die Köpfe der Fische jedoch werden als Delikatesse in afrikanische Länder verschifft. Noch erschöpfter als in Svolvær erreichten wir nach mehreren Stunden des Fahrens und Guckens endlich Å! Å ist eine kleine Siedlung, in der die Hauptstraße der Lofoten schlicht aufhört. Der Ort ist so klein, wie der Name kurz ist) Die restlichen Kilometer bis ans westlichste Ende Norwegens kann man nur noch zu Fuß erreichen. Müde begaben wir uns erst einmal in unsere Herberge: von Baumstämmen gestützt und vom Wasser unterspült blickte man, die Berge im Rücken, auf das offene Meer. Der Sonnenschein und die raue Meeresluft machten die ersten Stunden in Å zu einem herrlichen Erlebnis.
Nach einer mehrstündigen Pause begaben wir uns in die raue Natur der Inseln. Wir studierten die Karte, und eine kleine Gruppe entschloss für eine Wanderung, was das sonnige Wetter durchaus zuließ. Was sich auf dem Papier unserer Karte als leicht machbar einschätzen ließ, entpuppte sich in der Realität jedoch als eine anstrengende Bergwanderung entlang rutschiger und sehr steiler Abhänge. Obwohl wir keinen Gipfel erreichten, da der Aufstieg auf 1500 Meter zu gefährlich war, bot sich uns aus ca. 800 Meter Höhe ein wunderbarer Ausblick über bzw. entlang der Lofoten. Das umschlagende Wetter, die Temperatur die von ca. +4°C auf ca. 0°C fiel und die langsam hereinbrechende Dunkelheit, die ungefähr ebenso lang wie die Helligkeit war, zwangen uns schließlich, den Rückweg anzutreten.
Die 48 Stunden auf den Lofoten vergingen schnell, so dass wir uns nach viel zu kurzer Zeit auf den Heimweg machen mussten. Nach 17stündiger Fahrt durch Norwegen, Schweden und Finnland kamen wir – mit Umweg über ein lofotisches Wikingermuseum – wieder in Rovaniemi an.

Trotz der kurzen Zeit bleibt das Fazit: Es lohnt sich sehr, diesem abgelegenen Ort der Welt einen weiteren Besuch abzustatten.

Nikolas Sellheim

Lofoten Infoseiten:
www.lofoten-online.de

Ein Spiegel-Bericht über die Lofoten

Die drei baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen zählen zu den am stärksten wachsenden Volkswirtschaften der Welt. Bei Nordea, einem führenden Finanzkonzern in Nordeuropa, geht man heute davon aus, daß die baltischen Staaten in den kommenden Jahren schneller wachsen werden als der EU-Durchschnitt. Parallel zum Aufschwung der Wirtschaft sanken auch die Arbeitslosenzahlen: Im Jahr 2006 hatte sich die Arbeitslosenquote in Estland auf 4,4 Prozent, in Lettland auf 6,8 Prozent und in Litauen auf 6,4 Prozent reduziert. Trotz Erfolgsmeldungen ist die Emigrationsquote hoch – vor allem junge und gut ausgebildete Menschen wandern aus und die Staaten klagen über einen Mangel an Arbeitskräften. Was sind die Gründe für diese Entwicklung?

Das starke wirtschaftliche Wachstum im Baltikum hat auch seine Schattenseiten. In allen drei Ländern ist das Risiko einer Konjunkturüberhitzung gestiegen und das wirtschaftliche Ungleichgewicht hat sich verschärft. Zudem ist das Wirtschaftswachstum regional unterschiedlich, deutliche Differenzen zeigen sich vor allem zwischen den Großstädten und ländlichen Regionen. Gleiches gilt für die Arbeitslosigkeit. So ist sie in Lettland in den östlichen Regionen (bis zu 28 %) am höchsten, am niedrigsten in der Hauptstadt Riga (4,5 %). Hoch ist hier auch die Jugendarbeitslosigkeit. In Litauen stehen einer sinkenden Zahl gut ausgebildeter Arbeitsloser viele Langzeitarbeitslose und nicht mehr in den Arbeitsmarkt Integrierbare gegenüber.

Hinzu kommt, daß der durchschnittliche Lebensstandard in allen drei Ländern noch unter dem EU-Durchschnitt liegt. In Litauen beispielsweise betrug das durchschnittliche Monatsgehalt Mitte 2006 ca. 440 EUR. Gleichzeitig sind die Lebenshaltungskosten sowie die soziale Ungleichheit in allen drei Ländern gestiegen. Dies sind die Hauptgründe für die Emigration junger und gut ausgebildeter Kräfte, die im Ausland teilweise das Zehnfache verdienen. Die Abwanderungswelle setzte kurz nach der Wende ein und hat sich mit dem Beitritt zur EU weiter verstärkt. In Litauen schätzen die Behörden die Zahl der Auswanderer seit 1990 auf mehr als 350.000, rund 10 Prozent der Bevölkerung (2005). Genaue Zahlen liegen den Behörden nicht vor. Ähnlich lauten die Schätzungen für Lettland, für Estland sehen die Zahlen nicht ganz so dramatisch aus. Neben Irland sind Großbritannien und Norwegen beliebte Auswanderungsziele. Ende 2005 wurden allein in Irland monatlich 700 bis 1000 lettische Arbeitskräfte registriert. Heute ist insbesondere bei jungen Leuten die Bereitschaft hoch, das Land für eine Weile zu verlassen, um im Ausland Geld zu verdienen. Solange sie in den Ferien zurückkommen und das im Ausland verdiente Geld in ihren Heimatländern ausgeben, machen sich die Regierungen bisher wenig Sorgen.

Nicht nur Balten verlassen ihr jeweiliges Land, auch viele Angehörige nationaler Minderheiten, hauptsächlich russischsprachige Einwohner, sind nach 1989 abgewandert. Dies betrifft vornehmlich Estland und Lettland, die eine striktere Einbürgerungs- und Sprachengesetzgebung verfolgen als Litauen. Die Probleme, die sich insgesamt aus der Abwanderung für die Wirtschaft ergeben, zeigen sich vor allem im Fehlen von Arbeitskräften im Niedriglohnbereich, aber auch im Fachkräftemangel. So wurden beispielsweise 2005 in Estland dringend Nachwuchs für Polizei und Zoll, in Lettland Kandidaten für das Richteramt und in Litauen Ärzte benötigt.

Der Weggang junger Menschen stellt die Staaten in den kommenden Jahren vor eine Herausforderung. Nicht nur, daß sie als Arbeitskräfte fehlen, es kommt den Staaten auch der Nachwuchs abhanden, d.h. junge Familien, die Kinder in die Welt setzen. Zudem übertraf bereits 2003 die Zahl der Sterbefälle deutlich die Zahl der Geburten. Eine Folge des Geburtenrückgangs, der sich nach 1989 ereignete, sind ungleich besetzte Altersgruppen. Damit stehen gesellschaftliche Einrichtungen, die auf einer möglichst stabilen Altersstruktur basieren, wie das Bildungs- oder Rentensystem, vor Strukturproblemen. Wenn die geburtenstarken Jahrgänge nach 2020 das Rentenalter erreichen, wird die Zahl der Erwerbstätigen automatisch abnehmen. Für Estland und Lettland wird daher für die kommenden 20 Jahre eine Bevölkerungsabnahme von 12 Prozent prognostiziert. In Litauen hingegen beträgt der Rückgang weniger als acht Prozent. Langfristig gesehen müssen also die Regierungen ihre Bemühungen, die Arbeitsverhältnisse insbesondere für junge Menschen attraktiv zu gestalten, verstärken, um den Bevölkerungsschwund zu vermindern.

Inken Dose

 
  Letzte Änderung: