„GRÖNLAND ist die große
Unbekannte” Der Arktisforscher Dr. Volker Rachold im Gespräch
mit KULTURHUS BERLIN


Volker Rachold
Foto: privat
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Dr. Volker Rachold arbeitet am Alfred-Wegener-Institut für
Polar- und Meeresforschung in Potsdam. Der Geologe ist Geschäftsführer
des International Arctic Science Committee (IASC).
KULTURHUS BERLIN: „Auf Schneeschuhen durch Grönland“,
so wie der legendäre Fridtjof Nansen einmal eine Expedition ins
ewige Eis machen, das ist ja der Traum vieler. Nur wenige können
das tatsächlich tun. Sie gehören dazu. Was geht in Ihnen vor,
in einem Wissenschaftler, der sich mit Polar- und Meeresforschung befasst,
wenn Sie auf Forschungsexpedition in die Arktis aufbrechen?
Volker Rachold: Auf solche Expeditionen bereitet man
sich wirklich sehr lange und sehr intensiv vor. Ich habe bislang in
der sibirischen Arktis gearbeitet und zwischen 1994 und 2005 insgesamt
acht arktische Expeditionen geleitet. Darunter waren kleine Expeditionen
mit zwei, drei Personen und große, mit bis zu vierzig Teilnehmern.
Die reine Zeit, die man im Gelände ist, das sind vier bis acht
Wochen. Aber die Vor- und Nachbereitungszeit für eine solche Expedition
beträgt etwa ein halbes Jahr. Die Vorbereitungsarbeit ist enorm,
die Expeditionsausrüstung muss beschafft, verpackt, ordentlich
beschriftet werden und natürlich muss auch dafür gesorgt werden,
dass sie heil ankommt. Und dann am Ende müssen die Proben auch
unbeschadet nach Deutschland ins Labor gelangen, was von Russland aus
auch nicht immer so einfach ist. Man ist wirklich froh, wenn alles geklappt
hat, man im September zurückkommt und im Oktober/November dann
auch noch die Proben im Labor hat, um damit dann arbeiten zu können.
Aber so eine Expedition ist natürlich immer ein Höhepunkt
in der Forschungsarbeit.
KULTURHUS BERLIN: Was ist für Sie persönlich das Eindrucksvollste
an der Arktis?
Die Einsamkeit und das Menschenleere. Das ist das, was mich immer wieder
beeindruckt. Ich habe im Lena-Delta gearbeitet, dem Mündungsbereich
eines der größten Flüsse der Erde, dem zweitgrößten
Fluss Sibiriens nach dem Jennisej. Das Delta der Lena ist ungefähr
so groß wie Holland. Und da lebt im Winter wahrscheinlich ein
Mensch, und im Sommer leben da vielleicht zwanzig Forscher. Da steht
man morgens auf, geht vor sein Zelt und man weiß: Im Umkreis von
500 Kilometern ist außer den paar Leuten, die im Camp sind, niemand.
Das hat mich sehr beeindruckt. Die Unberührtheit.
KULTURHUS BERLIN: Und unter welchen – klimatischen, professionellen,
menschlichen – Bedingungen arbeiten Sie dann?
Sibirien ist natürlich etwas besonderes, auch für die Arktis,
weil es doch ganz andere Anforderungen stellt, z. B. an die Logistik,
als etwa eine Schiffsexpedition im Arktischen Ozean. Nach Spitzbergen
z. B. fliegt ein Linienflieger. Das ist nach Sibirien nicht unbedingt
der Fall, dorthin kommen weitaus weniger Menschen.
Eine große Herausforderung ist das kontinentale Klima Sibiriens.
In Jakutsk z.B. ist es im Sommer sehr heiß, während es im
Winter dagegen minus 40, minus 50, oder sogar minus 60 Grad kalt ist.
Temperaturunterschiede von 100 Grad zwischen Sommer und Winter sind
keine Seltenheit. Wenn man bei minus 30 Grad vom Meereis aus Bohrungen
in den darunterliegenden Permafrost vornimmt, dann ist das eine grosse
physische Belastung. Expeditionen im Sommer haben dann andere Tücken,
wenn wir zum Beispiel mit unseren Schiffen auf der Lena sind, dann ist
es zwar sehr sommerlich, warm und schön, aber die Mücken plagen
einen ganz furchtbar.
KULTURHUS BERLIN: Was interessiert Sie als Geologen wissenschaftlich
besonders und warum?
In den letzten Jahren habe ich mich vor allem mit Permafrost beschäftigt,
also mit durchgehend gefrorenen Böden. Deren Einfluss auf Klima
und die Wechselwirkungen, die Klimaänderungen auf Permafrost vor
allem im Küstenbereich haben, sind von uns untersucht worden, wobei
wir uns in den letzten Jahren auf den submarinen Permafrost fokussierten.
In Sibirien ist der Küstenbereich vollständig durch Permafrost
gekennzeichnet, und diese Gebiete sind extrem sensibel gegenüber
Erosionsprozessen. Zum einen, weil durch Wärme der Permafrost auftaut,
zum anderen, weil durch Wellentätigkeit und Stürme die Küste
erodiert wird. Uns interessiert der Materialeintrag durch Küstenerosion
in den Arktischen Ozean im Hinblick auf Kohlenstoffkreisläufe.
Die Schelfmeere vor der sibirischen Küste waren in den letzten
Glazialzeiten trocken, da der Meeresspiegel z.B. während des letzten
Vereisungsmaximums vor etwa 20.000 Jahren 120 Meter niedriger als heute
lag. Das heißt, dass die heutigen Meeresböden damals den
niedrigen Temperaturen während der Kaltzeiten ausgesetzt waren
und damit in Permafrost übergegangen sind. Dieser Permafrost besteht
heute noch als sogenannter submariner Permafrost, obwohl diese Gebiete
seit Tausenden Jahren überflutet sind.
Wenn man in den Flachmeerbereichen Sibiriens in den Meeresboden bohrt,
stößt man nach nur wenigen Metern auf gefrorenes Material.
Ob dieser submarine Permafrost gerade heute im Hinblick auf Klimaveränderung
stabil oder instabil ist, ist auch deshalb eine große Frage, weil
im Permafrost Treibhausgase eingefroren und gespeichert sind. Er bildet
eine Art Deckel für alle darunterliegenden Treibhausgase, die tiefer
in Form von Gashydraten, also festen Verbindungen von Methan, vorliegen.
Wenn sich der Permafrost beginnt aufzulösen, heißt das, es
gibt Wege für die Treibhausgase, um zu entweichen. Und das ist
momentan eine wichtige Frage.
KULTURHUS BERLIN: Verändern sich diese Bereiche bereits?
Im nördlichen Teil von Sibirien liegt die Jahresmitteltemperatur
unterhalb von minus 10 Grad, dementsprechend kalt ist der Permafrost,
der die langfristige Jahresmitteltemperatur widerspiegelt. In Alaska
hingegen liegen die Temperaturen im Permafrost häufig nur knapp
unter dem Gefrierpunkt, man spricht daher von „warmem“ Permafrost.
Wenn sich die Temperatur hier nur ein wenig erhöht, reicht das
schon, um den Permafrost aufzutauen. Und das sieht man bereits in Alaska.
Auch im submarinen Permafrost sind Veränderungen erkennbar. Unsere
Ergebnisse deuten darauf hin, dass der submarine in dem von uns untersuchten
Gebiet bei nur geringfügiger Temperaturerhöhung auftauen könnte.
Die Permafrosttemperaturen liegen bei etwa minus 2 Grad, was aufgrund
des Salzgehaltes des Meerwassers nur knapp unterhalb der Auftautemperatur
liegt.
KULTURHUS BERLIN: Welche Gebiete genau zur Arktis gehören,
ist nicht genau festgelegt. Wie definieren Sie Arktis, welches Gebiet
umfasst es?
Das ist deshalb schwierig zu beantworten, weil es ganz viele verschiedene
Definitionen gibt und jede Organisation bzw. jede Fachrichtung eigentlich
ihre eigene Definition für die Arktis hat. Die Arktis wird von
einigen definiert als all das, was nördlich des Polarkreises liegt.
Andere beziehen politische Grenzen mit ein. Manche beziehen sich auf
den Permafrost, wobei sich die Grenzen in diesem Falle noch südlicher
hinausziehen. Es gibt keine einheitliche Definition für Arktis.
KULTURHUS BERLIN: Beim Stichwort „Globale Klimaänderung“
denken wir an schmelzendes Polareis, steigenden Meeresspiegel, an Grönland,
das nach und nach sein Eis verliert. Einige arktische Schifffahrtswege
sind im Sommer ja schon jetzt befahrbar. Was sagen Sie, wird die Arktis
tatsächlich eisfrei? Und wäre das eigentlich so schlecht?
Auf Grönland zumindest ist man durchaus froh über mehr Wärme...
Man muss hier differenzieren zwischen Meereis und den Eiskappen, also
dem Inlandeis auf Grönland. Der Arktische Ozean ist ein von Landgebieten
umgebenes Meer. Im Gegensatz zur Antarktis. Das ist ein Kontinent, der
umgeben ist von einem Meeresgebiet. Das arktische Meereis schwimmt wie
eine Eisschicht auf einem See auf dem Ozean. Für den Meeresspiegel
hat es überhaupt keine Konsequenz, wenn dieses Eis auftaut. Das
ist wie mit einem Eiswürfel in einem Wasserglas. Wir haben aber
in den letzten Jahren beobachtet, dass das Meereis dramatisch abgenommen
hat, im Sommer, vor allem im Spätsommer.
Natürlich gibt es die Diskussion, dass sich damit Schifffahrtswege
in der Region öffnen, obwohl es nach wie vor nicht so ist, dass
man mit einem normalen Schiff einfach durch die Arktis fahren kann.
Dass große Teile der Arktis im September eisfrei sein werden,
wird sich allerdings in den nächsten Jahren noch verstärken.
Dramatische Konsequenzen hat das vor allem für die Lebewesen im
Arktischen Ozean, für Eisbären zum Beispiel. Sie sind auf
Meereis angewiesen, jagen vom Meereis aus. Davon betroffen ist die gesamte
Nahrungskette.
Und es hätte auch andere Konsequenzen, weil die Sonnenenergie vom
Meereis oder von ungefrorenem Wasser jeweils ganz anders reflektiert
wird. Meereis reflektiert die Einstrahlung der Sonne. Wasser ist dunkel
und absorbiert die Wärme. Je weniger Meereis im Arktischen Ozean
ist, desto mehr Wärme der Sonne kann der Ozean absorbieren, was
zu einer weiteren Erwärmung führt.
Das Meereis ist für die meisten arktischen Völker, die vom
Jagen leben, extrem wichtig, weil die Jagd vom Meereis aus betrieben
wird und das Meereis auch für Transporte benutzt wird. Natürlich
sind deshalb alle Völker der Arktis von den Veränderungen
betroffen.
Das Eis, das auf Grönland liegt, ist im Prinzip ein bis zu 3 km
dicker Gletscher. Wenn dieses Eis komplett schmelzen würde, würde
das bedeuten, dass der Meeresspiegel global um sieben Meter ansteigt.
Und das ist eine Konsequenz, die ebenfalls dramatisch wäre. Grönland
ist momentan die große Unbekannte. Auch, wenn man den letzten
IPCC-Bericht liest, hier sind die meisten Fragen zu Grönland offengeblieben.
[IPCC = Intergovernmental Panel on Climate Change, Anm. der Redaktion]
Derzeit konzentriert sich die Wissenschaft sehr auf Grönland,
um zu verstehen, wie sich das grönländische Inlandeis verhält.
Man weiß nicht, um wieviel und wie schnell das Grönland-Eis
abschmelzen wird.
KULTURHUS BERLIN: Gemüse aus Grönland. Ist das realistisch?
Nein, Gemüse aus Grönland, das ist momentan nicht realistisch.
KULTURHUS BERLIN: Grönland war bis zum 13. Jahrhundert
durch Wikinger besiedelt. Dann wurde es wahrscheinlich zu ungemütlich.
Wie hat es sich in den Jahrhunderten klimatisch und damit kulturell
dort verändert, wie war es früher, und wie ist Grönland
zu dem geworden, was es heute ist?
Als Geologe würde ich gern noch ein wenig weiter zurückgehen,
nämlich drei Millionen Jahre. Seit drei Millionen Jahren ist Grönland
vergletschert. Dies ist der Zeitraum, den man als den letzten großen
Vereisungszeitraum der Erde annimmt, also die heutige, unsere Kaltzeit.
Wir leben in einer Kaltzeit, und momentan in einer Zwischenwarmzeit
innerhalb dieser Kaltzeit. Dieses Eis auf Grönland bildete sich
vor drei Millionen Jahren und nahm im Wechsel von Kalt- und Warmzeiten
immer wieder mal ab- und mal zu. Aber es war die ganze Zeit über
da. Ein Beispiel: Zum letzten Höhepunkt der Vergletscherung, also
vor ungefähr 20 000 Jahren, war es auf Grönland ungefähr
25 Grad kälter als heute. Der Meeresspiegel war 120 Meter tiefer
als heute. Das ist noch gar nicht so lange her.
Das Klima während der Kaltzeit war auf Grönland extrem instabil.
Es gab 25mal abrupte Klimaerwärmungen von zehn bis 15 Grad, die
mit einem Meeresspiegelanstieg von zehn bis fünfzehn Metern einhergingen,
die sogenannten Dansgaard-Oeschger Events.
Die Zwischenwarmzeit, in der wir heute leben — das sogenannte
Holozän, begann vor etwa 12 000 Jahren, und seitdem waren die Klimaschwankungen
eigentlich sehr moderat. Was sich in diesem Zeitraum veränderte,
ist im Vergleich zu dem, was zuvor passierte, fast vernachlässigbar
gering. Aber: Selbst das hatte für Grönland schon Konsequenzen.
Ein Beispiel: Während des so genannten Klimaoptimums, also vor
etwa 8000 Jahren, war es in Grönland etwa zwei Grad wärmer
als heute. Das heißt, zu Wikingerzeiten war Grönland genauso
vereist wie heute, nur waren möglicherweise die eisfreien Küstenstreifen
etwas breiter. Aber auch im 13. Jahrhundert werden die Lebensbedingungen
dort nicht gerade einfach gewesen sein, es war schon immer vergletschertes
Land. Vielleicht etwas wärmer als heute, aber richtig schön,
um dort zu leben, war es sicherlich nicht.
KULTURHUS BERLIN: Wie drastisch vollzieht sich der Klimawandel
in der Arktis dann tatsächlich? Womit müssen Menschen in Skandinavien,
besonders in Grönland und Island in den nächsten Jahren rechnen?
Was würde dort ein Anstieg des Meerwasserspeigels bedeuten?
Es ist allgemein anerkannt, dass sich in der Arktis die Klimaerwärmung
wesentlich stärker, schneller und deutlicher zeigt als anderswo
auf der Erde. Das hat für viele Gebiete der Arktis dramatische
Konsequenzen, was den Meeresspiegel, was Permafrost, was das Meereis
angeht.
Für Skandinavien aber ist ein Meeresspiegelanstieg kein allzu großes
Thema, weil sich die gesamte Landmasse nach dem Abschmelzen der letzten
Vergletscherung heute immer noch anhebt. Unterhalb der Erdkruste gibt
es eine plastische Schicht, auf der schwimmen – bildlich gesprochen
– die Kontinente. Das Land sinkt bei der großen Last eines
Gletschers tiefer in diese plastische Schicht ein. Das Land steigt wieder
heraus, wenn sich das Gletschereis zurückbildet, und damit gibt
es einen Ausgleich.
Skandinavien war zur letzten Eiszeit vereist. Noch vor 20 000 Jahren
lag hier ein großer Gletscher. Nachdem der geschmolzen war, nahm
die Auflast ab und die Landmasse hob sich im Gegenzug an. Genauso wenig
wäre ein Meeresspiegelanstieg für Grönland ein allzu
großes Thema, weil auch dort das Land angehoben würde.
KULTURHUS BERLIN: Stichwort Küstenschutz. Ist Küstenschutz
dann gar nicht so ein wichtiges Thema?
Doch. Für ein Land wie z.B. Holland oder die Malediven wären
sieben Meter Meeresspiegelanstieg eine Katastrophe.
Küstenschutz ist deshalb ein wichtiges Thema, weil die Küstengebiete
der Erde die ersten betroffenen Regionen sind. Was man in den letzten
Jahren an Meeresspiegelanstieg gesehen hat, ist nur zu einem geringen
Teil durch das Abschmelzen der großen Eismassen (Antarktis und
Grönland) zu erklären. Ein größerer Anteil resultiert
aus dem Rückgang von kleineren Eiskappen und Gletschern. Die größte
Komponente ist allerdings die Erwärmung des Wassers. Wasser dehnt
sich aus, wenn es wärmer wird. Und das hat Einfluss auf den Meeresspiegelanstieg.
Man kann – und das zeigen uns ja die Holländer – auch
in einem Land leben, das unterhalb des Meeresspiegels liegt. Mit entsprechendem
Küstenschutz.
KULTURHUS BERLIN: Eine Vielzahl internationaler Forschungsprogramme
widmet sich dem Klimasystem der Erde, untersucht die Auswirkungen auf
das Klima für den gesamten Erdball und insbesondere für Europa.
Wird Ihrer Meinung nach auch international bereits auf die Auswirkungen
der klimatischen Veränderungen ausreichend reagiert? Und was erwarten
Sie in diesem Zusammenhang von der diesjährigen Klimakonferenz
in Kopenhagen?
Meine Organisation, das International Arctic Science Committee (IASC),
ist an einem Bericht über den Zustand und die zukünftige Entwicklung
des Grönlandeises beteiligt, der vom Arktischen Rat in Auftrag
gegeben wurde und der Klimakonferenz in Kopenhagen vorgelegt werden
soll. Der Arktische Rat ist ein politisches Gremium der acht arktischen
Anrainerstaaten — Kanada, die skandinavischen Länder, USA
und Russland — der sich mit umweltpolitischen aber auch politischen,
soziologischen Fragen in der Arktis befasst. Er hat diese Studie in
Auftrag gegeben, in der es um die Kryosphäre in der Arktis, um
Meereis, um Inlandeis, um Permafrost und Hydrologie geht. Die Studie
soll helfen, der Politik Richtlinien zu geben, wo wir eigentlich stehen
mit den Erkenntnissen und was gemacht werden sollte.
Man hofft natürlich schon, dass sich an der internationalen Klimapolitik
etwas ändern wird, schon deswegen, weil die USA in den letzten
Jahren nicht bereit waren sich an einer neuen Klimapolitik zu beteiligen
und sich nun mit einer neuen politischen Ausrichtung wesentlich offener
in dieser Frage darstellen. Dass in Kopenhagen etwas Konkretes beschlossen
und entschieden wird und es nicht nur bei Absichtserklärungen bleibt,
kann man — auch angesichts der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise
— nur hoffen.
KULTURHUS BERLIN: Die Arktis ist in den Schlagzeilen nicht nur
wegen der Klimaproblematik, sondern verstärkt auch wegen der Gebietsfrage
und des Kampfes um — Bodenschätze.
Die Brisanz bei diesem Thema ist da. Sämtliche Gesetze und Regelungen,
was die Nutzung des Meeres angeht, werden von der UN in der United Nations
Convention on the Law of the Sea (UNCLOS) geregelt. Diese Konvention
von 1982 sieht vor, welche Gebiete zu welchem Land gehören. Momentan
aber ist in der Arktis vieles strittig. Die Arktis wird einfach besser
zugänglich durch den Rückgang des Meereises. Und dadurch bekommt
die Frage der Ausbeutung von Ressourcen in der Arktis eine ganz neue
Dimension.
Das Gespräch führte Ulrike Schulz |