|
GRÖNLAND-SPEZIAL des KULTURHUS BERLIN |

Foto: Tomas Milosch
Liebe Freundinnen und Freunde des KULTURHUS BERLIN,
Gemüse aus Grönland? Was passiert mit der größten
Insel der Welt, wenn der Meeresspiegel weiter steigt? Und wird Grönland
weiterhin zu Dänemark gehören?
Politische Souveränität und schmelzende Eisberge - Grönland
ist in den Schlagzeilen. Doch was wissen wir über die riesige,
mit Schnee und Eis bedeckte Insel in der Arktis wirklich?
Dieser SPEZIAL-Newsletter des KULTURHUS BERLIN. Zentrum für nordeuropäische
Kultur und Wissenschaft e.V. informiert ausführlich über Grönland.
Unsere Beiträge zu Kultur und Geschichte, Klimaforschung und Natur
Grönlands finden Sie auch unter www.kulturhus-berlin.de.
Wie lebt es sich in der Einsamkeit des Hohen Nordens? Welche kulinarischen
Delikatessen kennt man an der grönländischen Ostküste?
Kann man in der Arktis studieren? Und warum gibt es erst jetzt den ersten
Kinofilm aus Grönland?
Viel Vergnügen – beim Lesen unseres GRÖNLAND-SPEZIAL.
Ihr
KULTURHUS BERLIN
Inhalt
- COP15 – 2009 findet in Kopenhagen die
Klimakonferenz der Vereinten Nationen statt
Von Stefanie von der Lippe
- Die ganze Welt schaut gespannt auf Kopenhagen:
Hohe Erwartungen an den dänischen Vorsitz des UN-Weltklimagipfels
Von Bert Bugdahl
- „Grönland ist die große Unbekannte”
Der Arktisforscher Dr. Volker Rachold im Gespräch mit
KULTURHUS BERLIN
- GRÖNLAND in Zahlen und Daten
Von Johannes Sperling
- Ein Weltreich. Blick in die dänische Kolonialgeschichte
Von Professor Dr. Bernd Henningsen
- Grönland im Aufbruch: Ein Paradoxon im
Zeitalter des Klimawandels
Von Dr. Carsten Schymik
- „Man bekommt ein klares
Bild von sich“
Der dänische Schriftsteller Jørn Riel im Gespräch
mit KULTURHUS BERLIN
- „Am Anfang war ich etwas einsam“
Steen Hansen im Gespräch mit KULTURHUS BERLIN
- GRÖNLAND in Bildern
- GRÖNLAND erobert die Leinwand
- Grønlandske Huse – GRÖNLAND
in Dänemark
- Zwischen Walspeck und Robbenfleisch
Von Kathrin Friedrich
- Kleine Bevölkerungsexplosion südlich
des Nordpols
Von Frank Warmbrodt
- Polarforschung in Deutschland
- Gemeinsam lernen: Energiesicherheit im Ostseeraum
Von Inken Dose
- Wissenschaft Global – die University
of the Arctic
Von Nikolas Sellheim
- ARKTIS im TV
- GRÖNLAND zum Weiterlesen
1 COP15 – 2009 findet in Kopenhagen die Klimakonferenz
der Vereinten Nationen statt
Von Stefanie von der Lippe
Vom 07. bis 18. Dezember 2009 wird in Kopenhagen die Klimakonferenz
COP15 stattfinden, auf der ein Folgevertrag für das Kyoto-Protokoll
gefunden werden soll. Die Kopenhagener Conference of the Parties
(COP, dt.: Deutsch Vertragsstaatenkonferenz, VSK) ist die 15. Konferenz
ihrer Art seit 1995, die auf Ebene der Vereinten Nationen stattfindet
und auf der verbindliche Maßnahmen zu Klimaschutz diskutiert werden.
Ihren Ursprung nahmen die jährlichen Klimakonferenzen im Jahr 1992
mit dem ,Erdgipfel’ von Rio de Janeiro, auf dem der Klimaproblematik
erstmals mit einer Klimarahmenkonvention (United Nations Framework
Convention of Climate Change, UNFCCC) auf UN-Ebene begegnet wurde.
Diese Klimarahmenkonvention bildet die Basis für die jährlichen
COPs und die internationalen Klimaschutzvereinbarungen. Die erste COP
fand in Berlin im Jahr 1995 statt mit der Diskussion um die Reduzierung
der Treibhausgasemissionen. In den folgenden Jahren führten die
Verhandlungen auf der Konferenz in Kyoto im Jahr 1997 zum bekannten
Kyoto-Protokoll. Mit ihm werden die beteiligten Staaten erstmalig völkerrechtlich
verbindlich zu einer Reduzierung der Treibhausgasemissionen verpflichtet.
Den vollständigen Text von Stefanie von der Lippe können Sie
HIER
lesen!
[nach oben]
2 Die ganze Welt schaut gespannt auf Kopenhagen: Hohe
Erwartungen an den dänischen Vorsitz des UN-Weltklimagipfels
Von Bert Bugdahl
Die Weltöffentlichkeit wird im Dezember erwartungsvoll auf Kopenhagen
blicken. Dort soll beim UN-Weltklimagipfel unter dem Vorsitz Dänemarks
ein Nachfolgeabkommen für das Kyoto-Protokoll verhandelt und beschlossen
werden. Dass das “Kyoto-Protokoll” keine hinreichende Antwort
auf den Klimawandel sein konnte, war schon lange absehbar. In den 1990er
Jahren mangelte es vor allem an der Einsicht in den Ernst der Lage und
an der Dringlichkeit des Handlungsbedarfs. Daher verlor man sich in
internationalen Streitigkeiten über die Höhe der jeweiligen
Treibhausemissionen. Immerhin legte aber das 2012 auslaufende Kyoto-Abkommen
1997 erstmals verbindliche Zielwerte für den Ausstoß von
Treibhausgasen in den Industrieländern fest. Es wurde vielfach
dafür kritisiert, dass es ihm nicht gelang, die USA, den größten
Emittenten mit ins Boot zu holen. Dafür hatten mehrere OPEC-Staaten
im Verlauf der Jahre ihre Vorbehalte aufgegeben und das Übereinkommen
ratifiziert. Heute existiert nicht nur der Wille einzelner Staaten,
sondern auch der Konsens der Staatengemeinschaft darüber, dass
die Klimaprobleme keinen Aufschub dulden und sofort effektiv gehandelt
werden muss.
Den vollständigen Text von Bert Bugdahl können Sie HIER
lesen!
Bert Bugdahl ist Presseattaché der Königlichen Dänischen
Botschaft in Deutschland.
[nach oben]
3 „Grönland ist die große Unbekannte”
Der Arktisforscher Dr. Volker Rachold im Gespräch mit KULTURHUS
BERLIN
Volker Rachold
Foto: privat |
Dr. Volker Rachold arbeitet am Alfred-Wegener-Institut für
Polar- und Meeresforschung in Potsdam. Der Geologe ist Geschäftsführer
des International Arctic Science Committee (IASC).
KULTURHUS BERLIN: „Auf Schneeschuhen durch Grönland“,
so wie der legendäre Fridtjof Nansen einmal eine Expedition ins
ewige Eis machen, das ist ja der Traum vieler. Nur wenige können
das tatsächlich tun. Sie gehören dazu. Was geht in Ihnen vor,
in einem Wissenschaftler, der sich mit Polar- und Meeresforschung befasst,
wenn Sie auf Forschungsexpedition in die Arktis aufbrechen?
Volker Rachold: Auf solche Expeditionen bereitet man
sich wirklich sehr lange und sehr intensiv vor. Ich habe bislang in
der sibirischen Arktis gearbeitet und zwischen 1994 und 2005 insgesamt
acht arktische Expeditionen geleitet. Darunter waren kleine Expeditionen
mit zwei, drei Personen und große, mit bis zu vierzig Teilnehmern.
Die reine Zeit, die man im Gelände ist, das sind vier bis acht
Wochen. Aber die Vor- und Nachbereitungszeit für eine solche Expedition
beträgt etwa ein halbes Jahr. Die Vorbereitungsarbeit ist enorm,
die Expeditionsausrüstung muss beschafft, verpackt, ordentlich
beschriftet werden und natürlich muss auch dafür gesorgt werden,
dass sie heil ankommt. Und dann am Ende müssen die Proben auch
unbeschadet nach Deutschland ins Labor gelangen, was von Russland aus
auch nicht immer so einfach ist. Man ist wirklich froh, wenn alles geklappt
hat, man im September zurückkommt und im Oktober/November dann
auch noch die Proben im Labor hat, um damit arbeiten zu können.
Aber so eine Expedition ist natürlich immer ein Höhepunkt
in der Forschungsarbeit.
KULTURHUS BERLIN: Was ist für Sie persönlich das Eindrucksvollste
an der Arktis?
Die Einsamkeit und das Menschenleere. Das ist das, was mich immer wieder
beeindruckt. Ich habe im Lena-Delta gearbeitet, dem Mündungsbereich
eines der größten Flüsse der Erde, dem zweitgrößten
Fluss Sibiriens nach dem Jennisej. Das Delta der Lena ist ungefähr
so groß wie Holland. Und da lebt im Winter wahrscheinlich ein
Mensch, und im Sommer leben da vielleicht zwanzig Forscher. Da steht
man morgens auf, geht vor sein Zelt und man weiß: Im Umkreis von
500 Kilometern ist außer den paar Leuten, die im Camp sind, niemand.
Das hat mich sehr beeindruckt. Die Unberührtheit.
KULTURHUS BERLIN: Und unter welchen – klimatischen, professionellen,
menschlichen – Bedingungen arbeiten Sie dann?
Sibirien ist natürlich etwas besonderes, auch für die Arktis,
weil es doch ganz andere Anforderungen stellt, z. B. an die Logistik,
als etwa eine Schiffsexpedition im Arktischen Ozean. Nach Spitzbergen
z. B. fliegt ein Linienflieger. Das ist nach Sibirien nicht unbedingt
der Fall, dorthin kommen weitaus weniger Menschen.
Eine große Herausforderung ist das kontinentale Klima Sibiriens.
In Jakutsk z.B. ist es im Sommer sehr heiß, während es im
Winter dagegen minus 40, minus 50, oder sogar minus 60 Grad kalt ist.
Temperaturunterschiede von 100 Grad zwischen Sommer und Winter sind
keine Seltenheit. Wenn man bei minus 30 Grad vom Meereis aus Bohrungen
in den darunterliegenden Permafrost vornimmt, dann ist das eine grosse
physische Belastung. Expeditionen im Sommer haben dann andere Tücken,
wenn wir zum Beispiel mit unseren Schiffen auf der Lena sind, dann ist
es zwar sehr sommerlich, warm und schön, aber die Mücken plagen
einen ganz furchtbar.
Das vollständige Interview von Ulrike Schulz mit Dr. Volker Rachold
können Sie HIER
lesen!
[nach oben]
4 GRÖNLAND in Zahlen und Daten
Von Johannes Sperling
Grönland
heißt in der Sprache der dort lebenden Inuit Kalaallit Nunaat
(„Land der Menschen“)
Der Name Grönland (altnordisch: Grænland; dänisch:
Grønland – „Grünland“) stammt
von Erik dem Roten, der Ende des 10. Jahrhunderts n. Chr. von Island
auf die Insel kam. Möglicherweise war das Klima damals vergleichsweise
mild und daher die Küstenregion tatsächlich grün. Denkbar
ist aber auch, dass Erik den Namen wählte, um weitere Siedler für
die unwirtliche Insel zu gewinnen.
Die größte Insel der Welt ist wie eine mit Eis gefüllte
Schale. Von den rund zwei Millionen Quadratkilometer Gesamtfläche
sind nur etwa 400.000 Quadratkilometer eisfrei. Der Eispanzer im Landesinneren
ist stellenweise bis zu drei Kilometer dick. Dort beträgt die Jahresdurchschnittstemperatur
minus 30 Grad Celsius. Das Klima der Insel ist überwiegend arktisch,
und die Temperatur steigt vielerorts selbst in den wärmsten Tagen
des Jahres nicht über 10 Grad Celsius. Wegen der Größe
des Landes ergeben sich allerdings starke Klimaunterschiede zwischen
südlichem und nördlichem Landesteil ebenso wie zwischen den
Küstengebieten und dem Landesinneren.
Nordöstlich von Kanada gelegen, gehört die Insel geografisch
gesehen zum nordamerikanischen Kontinent. Geopolitisch zählt sie
allerdings als autonomer Teil des Königreichs Dänemark zu
Europa.
Auf Grönland, das etwa sechsmal so groß wie Deutschland ist,
leben 56.462 Menschen (Stand: 1. Januar 2008) in 18 Städten und
rund 60 kleineren Ortschaften. Der Großteil der Bevölkerung
lebt an der Westküste, während Nord- und Ostgrönland
weniger stark besiedelt sind. Die im Südwesten gelegene Hauptstadt
Nuuk (dänisch: Godthåb) mit rund 15.000 Einwohnern
ist das politische und administrative Zentrum der Insel.
Etwa 95 Prozent der Insulaner gehören der lutherisch-evangelischen
Kirche Grönlands an, die ein Teil der dänischen folkekirke
(„Volkskirche“) ist. Nationalfeiertag ist seit 1983 der
21. Juni, der längste und damit hellste Tag des Jahres. Eine grönländische
Flagge wurde am 21. Juni 1985 eingeführt.
Kalaallisut („Grönländisch“; wörtlich
„wie ein ‘Grönländer’“; „Sprache
der Menschen“) gehört zur Gruppe der eskimo-aleutischen Sprachen.
Die Sprache hat sich im Laufe der Jahrhunderte wegen der isolierten
Lage Grönlands kaum verändert. Anglizismen und Fremdwörter
sind verpönt, es werden – wenn möglich – grönländische
Wörter geschaffen. Das grönländische Wort für Computer,
qarasaasiaq, bedeutet z. B. wörtlich „künstliches
Gehirn“. Grob lassen sich drei Hauptdialekte unterscheiden: Ost-
und Westgrönländisch sowie der Thule-Dialekt in Nordgrönland.
Westgrönländisch, gelegentlich als kalaallisut im
engeren Sinne bezeichnet, hat die größte Sprechergruppe und
ist – neben Dänisch – offizielle Sprache auf Grönland.
Den vollständigen Text von Johannes Sperling lesen Sie HIER!
[nach oben]
5 Ein Weltreich. Blick in die dänische Kolonialgeschichte
Von Professor Dr. Bernd Henningsen
Wer heute von „Dänemark“ spricht, muss wissen, dass
die dänische Landkarte einmal ganz anders ausgesehen hat, dass
mit „Dänemark“ das Territorium der Hauptlande aber
auch die Färöer und Grönland gemeint sind.
Die beiden autonomen Gebiete – die Färöer (= Schafsinseln)
im Nordatlantik und Grönland, die größte Insel der Welt,
sechsmal so groß wie Deutschland – gehören zum „Königreich
Dänemark“. Das eigentliche Dänemark misst reichlich
43.000 Quadratkilometer, die Färöer nur 1.400, Grönland
aber über zwei Millionen Quadratkilometer, davon 85 Prozent unter
Inlandeis. Mit Fug und Recht kann man Dänemark daher zu den größten
(Flächen-) Ländern der Welt rechnen – was nur ein schwacher
Trost dafür ist, dass das europäische Territorium Dänemarks
einst ein Vielfaches der heutigen Größe umfasste. Im eigentlichen
Dänemark leben heute etwa 5,5 Millionen Einwohner, auf den Färöern
mit seiner Hauptstadt Thorshavn 48.000, auf Grönland (Hauptstadt:
Godthåb / Nuuk) ca. 56.000 Menschen.
In der historischen Perspektive zählten zu Dänemark neben
Grönland und den Färöern außerdem Norwegen, Island
und die Herzogtümer Schleswig, Holstein und Lauenburg – hierfür
wird in Politik und Wissenschaft der Begriff „Gesamtstaat“
(helstat) angewandt –, aber auch Dänisch-Ostindien,
Dänisch-Westindien und die Dänische Goldküste zählten
dazu. Ein wahres Weltreich fürwahr. Eines, das allerdings so zerklüftet
war, wie die dänische Küste: Weder haben wir es mit einem
geschlossenen Raum zu tun, noch lagen die Grenzen unverbrüchlich
fest, schon gar nicht für einen längeren Zeitraum. Auch wirtschaftlich
gilt für das Königreich Dänemark, dass es zerklüftet
war, dänische Wirtschaftsräume überschnitten sich mit
schwedischen, englischen, vor allem deutschen.
Den vollständigen Text von Professor Dr. Bernd Henningsen
lesen Sie HIER!
Professor Dr. Bernd Henningsen ist Direktor des Nordeuropa-Insituts
der Humboldt-Universität zu Berlin. Der vorliegende Text ist in
Auszügen seinem neuen Buch „Dänemark“ entnommen,
das im Mai im Beck-Verlag, München erscheint.
[nach oben]
6 Grönland im Aufbruch: Ein Paradoxon im Zeitalter
des Klimawandels
Von Dr. Carsten Schymik
2009 wird für Grönland ein historisches Jahr. Am 21. Juni
tritt das neue Selbstregierungsstatut in Kraft, das bei einer Volksabstimmung
Ende letzten Jahres mit klarer Mehrheit angenommen wurde. Grönland
macht einen großen Schritt in Richtung Unabhängigkeit, doch
der Weg dahin ist noch immer lang.
Mit der Selbstregierung bricht für Grönland ein neues politisches
Zeitalter an. Zwar bleibt das Land Teil der dänischen rigsfællesskab
(„Reichsgemeinschaft“), aber es wird ein immer selbständigerer
Teil – bis hin zur Option der vollständigen Loslösung
von Dänemark.
Wann es soweit ist, und ob es überhaupt soweit kommt, kann heute
allerdings niemand vorhersagen. Grönlands erweiterte Autonomie
sollte daher nicht überbewertet werden. Sie ist eine Etappe, nicht
weniger, aber auch nicht mehr. Und selbst wenn sie die finale Etappe
auf dem Weg zu voller staatlicher Souveränität sein sollte,
wird sie nicht wie bei der Tour de France einer gemütlichen Champagnerfahrt
über den Champs-Élysées gleichen, sondern eher einer
beinharten Bergetappe in den Pyrenäen.
Den vollständigen Text von Dr. Carsten Schymik lesen Sie
HIER!
Dr. Carsten Schymik ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Forschungsgruppe
Europäische Integration der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP)
am Deutschen Institut für Politik und Sicherheit in Berlin.
[nach oben]
7 „Man bekommt ein klares Bild von sich“
Der dänische Schriftsteller Jørn Riel im Gespräch mit
KULTURHUS BERLIN

Jørn Riel
Foto: Unionsverlag |
Mit achtzehn Jahren brach Jørn Riel, 1931 in Odense (Dänemark)
geboren, zum ersten Mal nach Grönland auf. Seine Romane, Erzählungen,
Kurzgeschichten, Märchen und Gedichte handeln von den Menschen
in der Arktis. Riel wird in Dänemark in Hunderttausender-Auflagen
gelesen, im Fernsehen erzählt er seine Geschichten bei höchsten
Einschaltquoten in Fortsetzungen, seine Bücher sind in zahlreiche
Sprachen übersetzt. 1995 wurde ihm vom Dänischen Buchhändlerverband
als Autor des Jahres der »Goldene Lorbeer« verliehen. Im
Schweizer Unionsverlag erscheinen seine Bücher auf Deutsch.
KULTURHUS BERLIN: Sie leben jetzt in Malaysia, beschäftigen
sich in vielen Ihrer Bücher aber mit Grönland, wo Sie zuvor
viele Jahre gelebt haben. Hatten Sie irgendwann genug von der dauerhaften
Einsamkeit und vom arktischen Winter?
Jørn Riel: Nein. Nach fast 20jährigem
Aufenthalt in der Arktis sehnte ich mich nach etwas Neuem. Ich hatte
in Asien schon gearbeitet, zum Teil für die Vereinten Nationen
und zum Teil als Auslandskorrespondent, die meiste Zeit war ich in Südostasien.
In Malaysia habe ich mich sehr wohl gefühlt. Deshalb ging ich mit
meiner Familie dorthin und wir ließen uns dort nieder. Das ist
jetzt 18 Jahre her.
KULTURHUS BERLIN: Mit 19 Jahren kamen Sie das erste Mal aus
Dänemark nach Grönland. Warum wollten Sie überhaupt nach
Grönland?
Grönland war mein Wunschziel, seit ich ein kleiner Junge war.
Und weil das Land ein Teil des dänischen Reiches war, war es damals
etwas ganz Natürliches, wenn man sich wünschte dorthin hoch
zu reisen. Mein erster Eindruck von Grönland war überwältigend
– besonders, weil ich aus dem kleinen, undramatischen und flachen
Dänemark kam. Ich machte eine Ausbildung zum Navigator und Telegrafisten.
Das waren Berufe, die damals in Grönland sehr stark gebraucht wurden.
Ich ging nach Grönland mit einem Jahresvertrag – und blieb
16 Jahre. Zuerst.
Das vollständige Interview von Ulrike Schulz mit Jørn Riel
können Sie HIER
lesen!
[nach oben]
8 „Am Anfang war ich etwas
einsam“ Steen Hansen im Gespräch mit KULTURHUS BERLIN

Steen Hansen
Foto: privat |
Steen Hansen (42) ist Elektroinstallteur und führt seine eigene
Firma in Middelfart auf Fünen. Mitte der 1990er Jahre ging er für
drei Jahre nach Grönland.
KULTURHUS BERLIN: Warum sind Sie damals nach Grönland
gegangen? Was war Ihre Arbeit?
Steen Hansen: Ich arbeitete in Sønderstrømfjord.
Der Grund für mich, damals nach Grönland zu gehen, war, dass
es zu dem Zeitpunkt in Dänemark keine Arbeit gab. Ich arbeitete
als Elektriker auf einem Flughafen, wo ich für die gesamte Elektrik
verantwortlich war – angefangen von den Leuchten auf der Landebahn
bis hin zu den Wohnungen der Flughafenmitarbeiter.
KULTURHUS BERLIN: Hatten Sie keine Angst, dass es zu einsam
ist auf Grönland?
Ja, doch, man kann schon einsam werden, aber das lag mehr daran, dass
ich so weit weg von zu Hause war. Aber ich blieb dort gut drei Jahre.
Und es war vor allem nur am Anfang, dass ich mich ein bisschen einsam
fühlte.
KULTURHUS BERLIN: Was war der große Unterschied zwischen
Dänemark und Grönland, was war vollständig neu für
Sie?
Die Natur ist einzigartig, die Luft ist rein, aber das, was einmalig
ist, das ist die Stille, die es dort gibt. Ein anderer Punkt ist, dass
die Grönländer wahnsinnig gastfreundlich sind und jede Gelegenheit
nutzen, um zu feiern.
Das vollständige Interview von Ulrike Schulz mit Steen Hansen können
Sie HIER
lesen!
[nach oben]
9 GRÖNLAND in Bildern
Vom Inlandseis nach Sisimiut. Eine Foto-Reise zur zweitgrößten
Stadt der Insel an der Westküste Grönlands.
Alle Fotos: Grete Hansen
[nach oben]
10 GRÖNLAND erobert die Leinwand
Mit gleich zwei Filmen startet Grönland in das Jahr 2009:
„Nuummioq“ ist der erste grönländisch produzierte
Spielfilm. Drehstart für „I den bedste mening” ist
im Juni.
KULTURHUS BERLIN (us) Das Dänische Filminstitut unterstützt
die Produktion von Louise N.D. Friedbergs „I den bedste mening”
(dt: In bester Absicht). 6,2 Millionen
dänische Kronen erhält der Film, der auf tatsächlichen
Begebenheiten basiert: Anfang der 1950er Jahre wurden 22 grönländische
Kinder aus ihrer häuslichen Umgebung heraus- und nach Dänemark
gebracht. Der dänische Staat hatte beschlossen, Grönland von
einer unterentwickelten Jäger- und Sammlergesellschaft zu einem
modernen Wohlfahrtsstaat werden zu lassen. Die „Speerspitzen”
in dieser Entwicklung hin zum neuen Grönland sollten die grönländischen
Kinder werden, die nach Dänemark geschickt wurden, um dort eine
gute Ausbildung zu bekommen. Doch schnell sollte sich zeigen, dass der
Versuch, sie zu Dänen zu machen, schwerwiegende Konsequenzen für
die Kinder hatte.
Hauptperson des Films ist die Krankenschwester Gert. Ihr wird die
Verantwortung übertragen, das Kinderheim in Nuuk zu leiten, in
dem die grönländischen Kinder nach ihrer Rückkehr aus
Dänemark erzogen und ausgebildet werden. In Gerts Augen bietet
das Projekt eine Chance für das verarmte Grönland. Für
die Kinder, die aus Dänemark zurückgekehrt sind, beginnt in
Grönland ein Leben als Musterexemplar, als Vorbild für ihre
grönländischen Landsleute. Doch die Erwartungen zu erfüllen,
wird für die Kinder schwer.
Ellen Hillingsø spielt die Hauptrolle der Gert. Von Rikke de
Fine Licht stammt das Drehbuch, Birgitte Skov und Signe Jensen produzieren
den Titel für Nimbus Film. Die Dreharbeiten sollen im Juni beginnen,
2010 soll I den bedste mening Premiere haben.
Bereits im Sommer dieses Jahres feiert der erste grönländisch
produzierte Spielfilm aller Zeiten Premiere. „Nuummioq“
erscheint mit englischen Untertiteln und soll in mehreren Ländern
in die Kinos kommen. „Nuummioq“ bedeutet „Einer aus
Nuuk“ und spielt in der Hauptstadt Grönlands. Malik, ein
junger Mann aus Nuuk, hat als Kind seine Eltern bei einem Bootsunglück
verloren. Trotz seiner Freunde fühlt er sich einsam – bis
er Nivi kennenlernt und sich in sie verliebt. Gerade als sein Leben
wieder lebenswert wird, erfährt er von seiner unheilbaren Krebserkrankung.
Er steht vor der Wahl: Entweder fährt er in das unbekannte Dänemark,
wo die Ärzte sein Leben vielleicht verlängern könnten,
oder er bleibt in seiner Heimatstadt Nuuk, wo ihm nur noch einige Monate
zu Leben bleiben.
Der Film zeigt die guten und schlechten Seiten des ganz gewöhnlichen
Menschen, seine persönlichen Herausforderungen und Besonderheiten.
Es ist eine Geschichte über Liebe, Freundschaft, Leben und Tod
– mitten im Alltag der modernen grönländischen Gesellschaft.
Ein Trailer – er gibt bereits einen ersten Einblick in
die Bilder und die Geschichte von „Nuummioq“– ist
schon HIER
zu sehen.
Informationen zum Film erhalten Sie unter www.3900pictures.com.
„Bisher sieht man in Filmen über Grönland immer die
gleichen Klischees. Als ob es eine Checkliste gibt, auf der steht: Kajak,
Jagd über das Eis, fremde Kultur, schöne Landschaft, aber
auch Alkoholismus“, sagt Produzent Mikisoq Lynge. „Nuummioq
soll eine andere Seite der grönländischen Gesellschaft zeigen,
aus der Sicht von Grönländern. Klischeebilder haben bei uns
keinen Platz.“ Damit „Nuummioq“ nicht länger
nur ein Traum bleibt, mussten Mikisoq Lynge und Otto Rosing eine Million
Dollar Budget aufbringen. Grönländische Sponsoren und der
Verkauf von 49 Prozent der Filmgesellschaft haben die Realisierung des
Projekts möglich gemacht.
Produzent Mikisoq H. Lynge und Regisseur Otto Rosing wollen mit ihrer
neu gegründeten Filmproduktionsgesellschaft „3900 Pictures“
Filme produzieren, die ein differenziertes und aktuelles Bild von Grönland
zeigen – mit grönländischen Produzenten, Regisseuren,
Schauspielern und einer grönländischen Crew.
[nach oben]
11 Grønlandske Huse – GRÖNLAND
in Dänemark
KULTURHUS BERLIN (sl) Insgesamt gibt es in Dänemark vier Grönlandhäuser,
die vor allem kulturelle und soziale Treffpunkte für in Dänemark
lebende Grönländer sind. In Kopenhagen, Odense, Århus
und Ålborg ergänzen sie das Angebot der offiziellen Vertretung
der grönländischen Selbstverwaltung (hjemmestyre)
in Kopenhagen.
Das in Kopenhagen 1974 eingeweihte Haus bietet neben Ausstellungen von
grönländischen Künstlern, einer Bibliothek und einem
angeschlossenen Laden mit grönländischen Waren auch ein Café
als Treffpunkt. Regelmäßig werden hier grönländische
Künstler eingeladen und Ausstellungen organisiert. Als Schnittstelle
zu den dänischen Behörden informieren und unterstützen
Mitarbeitende die Grönländer in sozialen Fragen, stehen bei
sprachlichen Hürden helfend zur Verfügung, beraten aber auch
in Bezug auf Bildungsangebote und geben Hinweise auf dänische und
grönländische Sprachkurse. Für dänische Schulklassen
bieten sie Unterrichtsmaterialien wie grönländische Kinderlieder
oder eine Einführung in die grönländische Sprache und
grönländische Literatur an. Jedes Grönlandhaus hat seine
Besonderheit, in der Universitätsstadt Århus beispielsweise
stellt das Haus grönländischen Studierenden Wohnheimzimmer
zur Verfügung.
Dass Grönlandhäuser die Zentren grönländischen Lebens
in Dänemark bilden, zeigt sich in Kopenhagen daran, dass sich unter
dem Dach des Grönlandhauses eines von weltweit insgesamt fünf
Regionalbüros der International Circumpolar Conference (ICC), dem
wichtigsten Vertretungsorgan von etwa 160.000 Inuit aus Kanada, Grönland,
Russland und Alaska, angesiedelt hat.
Det Grønlandske Hus in Kopenhagen:
Kalaallit Illuutaat –
Det Grønlandske Hus
Det Grønlandske Hus in Odense:
Odensemi Kalaallit
Illuutaat
Det Grønlandske
Hus in Århus
Det Grønlandske Hus in Ålborg:
Aalborg-im Kalaallit
Illuutaat
[nach oben]
12 Zwischen Walspeck und Robbenfleisch
Von Kathrin Friedrich
Das Wort Eskimo – „Rohfleischesser“ – hören
die Bewohner Grönlands nicht sonderlich gerne, doch spiegelt es
die traditionelle Küche des Landes gut wieder. So besteht die klassisch
grönländische Kost doch vor allem aus getrocknetem und rohem
Fleisch, hauptsächlich Robbe, und Fisch. Das Fleisch lieferte den
Einheimischen die Energie für ein Leben und Arbeiten in arktischer
Kälte.
Vor noch 100 Jahren ging es auf Grönland um das nackte Überleben,
so dass sich die Küche der Inuit nicht mit der Haute Cuisine anderer
Länder vergleichen lässt. Gewürze kennt die traditionelle
Küche Grönlands nicht, ein paar Spritzer Meerwasser mussten
zum Salzen genügen. Brennmaterial war stets rar, so dass viele
Gerichte ungekocht in den Magen wandern mussten. Das Nationalgericht
Suaasat, eine Suppe aus Robbenspeck, Reis und Wurzelgemüse
bedeutete in diesen Zeiten einen wahren Luxus und Gaumenschmaus. Das
Robbenfleisch ist dem Rindfleisch sehr ähnlich, nur sehr viel dunkler
beinah schwarz.
Das berühmteste Gericht der Ostküste ist bis heute Ulisimali.
Auch wenn es wahrlich nicht mehr oft aufgetischt wird. Zum Glück,
denn es handelt sich dabei schlicht und einfach um vergammeltes Robbenfleisch,
ähnlich dem Surströmming aus Schweden.
Dabei werden nur die rasierten und gewaschenen Flossen der Robbe verwendet.
Diese werden dann in dicht vernähtes Robbenfell gesteckt, heute
werden dafür aber auch manchmal gut schließende Blechdosen
verwendet. Das Robbenfleisch muss anschließend zwei Wochen an
einem warmen Ort vor sich hingären. Der daraus resultierende Gestank
lässt sich nicht in Worte fassen. Für die Inuit ist diese
Mahlzeit mehr Medizin als Nahrungsmittel. Es soll von innen wärmen
und böse Geister aus dem Körper vertreiben, was man sich bei
den beißenden Gasen gut vorstellen kann.
Es gibt auf der grönländischen Speisekarte jedoch auch durchaus
wohlschmeckende Gerichte, wie marinierte Forellen, geräucherten
Lachs und Walfleisch, Kamm-Muscheln, Mochusochsensteaks und Lammkoteletts.
Eine Reise in die Esskultur Grönlands lohnt sich also allemal.
(Quelle: Geo Special Nr. 1 Febr./März 2005 „Island, Grönland,
Spitzbergen“)
[nach oben]
13 Kleine Bevölkerungsexplosion südlich
des Nordpols
Von Frank Warmbrodt
Zehn Jahre sind schon vergangen, seit die letzte Svalbard-Meldung der
norwegischen Regierung dem Parlament vorgelegt wurde. In diesen zehn
Jahren hat sich vieles verändert, man spricht von einem Babyboom
auf der arktischen Inselgruppe.
Es ist kalt in Longyearbyen, die Durchschnittstemperatur klettert selten
über 6,5 Grad im wärmsten Monat Juli. Das Klima macht den
Menschen auf der schneebedeckten Inselgruppe im Alltag zu schaffen,
z. B. können Rohre nicht verlegt werden aufgrund des ständigen
Permafrostes. Trotz allen Widrigkeiten klettern jedoch die Immobilienpreise,
und die Kindergärten sind voll belegt.
Bis 1970 wurde die gesamte Infrastruktur, von Geschäften bis zum
Krankenhaus, von der Bergbaugesellschaft Store Norske Kullkompani betrieben.
1975 erklärte man, dass Longyearbyen eine Transformation von einer
„Company Town“ zur Normalgesellschaft durchlaufen, aber
keine Lebenslaufgesellschaft werden solle. Die Hebamme in Longyearbyen
darf den neuen Gesellschaftsmitgliedern nicht auf Svalbard auf die Welt
helfen, Arbeitslose dürfen nicht vom Festland nach Svalbard ziehen
und dort ihr Tagesgeld beziehen, und Menschen, die Drogen mit auf die
Inselgruppe nehmen, können von der Insel verwiesen werden. Auch
in der neuen Svalbard-Meldung wird hervorgehoben, dass man eine Familiengesellschaft
wünsche, aber keine Lebenslaufgesellschaft. Auf Svalbard darf man
eigentlich nicht alt werden. Jung darf man dagegen sein, und viele folgen
dieser unausgesprochenen Aufforderung. In der Svalbard-Meldung von 1999
steht: „…die Gesellschaft muss eine Größe und
eine soziale Struktur haben, die es für alle Gruppen attraktiv
macht in Longyearbyen zu wohnen...“ Sie insistiert aber auch:
„ Die Bevölkerungszahl sollte nicht das heutigen Niveau überschreiten
…“ Longyearbyen ist dennoch sehr beliebt, und seitdem haben
sich weitere 700 Menschen der Gesellschaft in Longyearbyen angeschlossen.
Alle vier Kindergärten sind voll belegt, während 15 Kinder
auf der Warteliste stehen. In zehn Jahren wuchs die Bevölkerung
von 1396 auf 2100 Einwohner.
Kohle, Tourismus und Forschung
Früher wohnten auf der Inselgruppe nur wenige Menschen. Es war
eine von Männern dominierte Bergbaugesellschaft. 1920 erhielt Norwegen
das Verwaltungsrecht über Svalbard, aber Einwohner der Nationen,
die den Spitzbergenvertrag unterschrieben hatten, konnten auf Svalbard
wohnen und arbeiten, wie die Norweger. Der Kohlebergbau war früher
das Fundament der norwegischen und russischen Siedlungen. Heute ist
die Inselgruppe ein beliebtes Touristenziel geworden, hat ihre eigene
Universität und ein weltberühmtes Saatgutlager. Seitdem die
Eisschmelze das Symbol für die allgemeine globale Erwärmung
geworden ist, besuchen immer mehr internationale Gäste die Inselgruppe,
um sich zu informieren. Gleichzeitig verschieben sich die Fischereiaktivitäten
weiter nordwärts, und das Wettrennen um die Ressourcen in den arktischen
Gebieten ist längst im Gange.

Tourismus wird
immer wichtiger für die Region
Foto: The Norwegian Barents Secretariat
www.barentsphoto.com
|
Die Regierung Norwegens legt besonderen Wert auf Svalbard als Basisstation
für Klimaforschung, Rettungsaktionen und Umweltschutz-Bereitschaft.
Die bereits vorhandene Infrastruktur ist ein guter Ausgangspunkt für
die Erweiterung der Aktivitäten im hohen Norden, mit denen aber
auch die Erwartungen an die öffentlichen Leistungen steigen. Die
lokale Zeitung schreibt, dass die Menschen sich einen Psychologen und
Schwangerschaftsgymnastik wünschen. Die Jugend möchte gerne
einen Fußballplatz mit Kunstrasen, und die Erwachsenen wünschen
sich weiterhin niedrige Steuern und Kindergartenplätze. Babymassage,
Babyschwimmen und Krabbelgruppen in der Bibliothek gibt es schon, auch
Babysingen hat man organisiert. Die jungen Familien fühlen sich
in Longyearbyen wohl, und der Zeitung Aftenposten berichten sie, dass
sie die morgendlichen Staus nicht vermissen. Sie mögen das einfache
Leben hier oben im hohen Norden.
Frank Warmbrodt ist Mitarbeiter der Norwegischen Botschaft in
Berlin
[nach oben]
14 Polarforschung in Deutschland
Die Polarforschung in Deutschland wird vom Alfred-Wegener-Institut
für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven koordiniert. Das
Institut stellt wichtige Infrastruktur wie den Forschungseisbrecher
Polarstern und Stationen in der Arktis und Antarktis für
die nationale und internationale Wissenschaft zur Verfügung.
Benannt ist das Alfred-Wegener-Institut nach einem der bedeutendsten
deutschen Polarforscher und Geowissenschaftler. Wegeners Theorie der
Kontinentalverschiebung bildet die wissenschaftliche Grundlage für
die moderne Theorie der Plattentektonik.
Grönland war für den 1880 in Berlin geborenen Forscher das
wichtigste Arbeitsfeld, insgesamt viermal brach er ins grönländische
Inlandeis auf, während seiner letzten Grönland-Expedition
1930 kam Wegener ums Leben. Ausführliche Informationen über
Alfred Wegener, historische und aktuelle Polarforschung finden Sie auf
der umfangreichen Internetseite des Instituts www.awi-bremerhaven.de.
In Zechlinerhütte bei Rheinsberg, wo die Familie Wegeners die Sommerferien
verbrachte, befindet sich heute eine „Alfred-Wegener-Gedenkstätte“.
Die Aufnahmen „Grönland in Bildern“ wurden uns vom
Alfred-Wegner-Institut für Polar- und Meeresforschung freundlicherweise
zur Verfügung gestellt.

Gletscher im Scoresby Sund, Grönland
Foto: Hannes Grobe
|
| 
Prof. Dr. Yngve Christoffersen mit Arbeitsgruppe und Schlitten
zum Einsatz für ein seismisches Profil auf ARK-VIII/3
Foto: Hannes Grobe
|

Für den Transport der Messgräte und Sicherheitsausrüstung
wird ein leichtes Prijon-Kajak verwendet
Foto: Christian Haas
|

Sein zu Hause
Foto: Hannes Grobe
|
| 
Gletscher in Ostgrönland
Foto: Hannes Grobe
|
[nach oben]
15 Gemeinsam lernen: Energiesicherheit
im Ostseeraum
Von Inken Dose
Zwei Städte, zwei Universitäten, ein Thema:
Die Berliner Humboldt-Universität veranstaltet zusammen mit der
Universität Kopenhagen die Sommer- Universität „Energiesicherheit
im Ostseeraum im 21. Jahrhundert“. Anfang September wird es zwei
Wochen lang nur um Fragen der Energiesicherheit, Energienutzung und
-gewinnung sowie Nachhaltigkeit gehen. Gastgeber sind die Universitäten
in Kopenhagen und Berlin, unterstützt von drei Partnern aus dem
Ostseeraum, den Universitäten Turku, Tartu und Gdansk.
Das Thema Energiesicherheit wurde mit Bedacht für die diesjährige
internationale Sommer-Universität gewählt: Zum einen ist 2009
das Jahr des UN Klimagipfels in Kopenhagen. Zum anderen ist das Thema
Energie eng mit der Frage des Klimawandels verbunden. Energie ist nicht
nur die Grundlage moderner Zivilisation, sondern zu Zeiten des Klimawandels
ein wichtiger Aspekt bei der Frage, wie sich Konsumenten und Produzenten
verhalten sollen, um das Klima zu schützen und den Energiebedarf
zu sichern. Energiesicherheit im Sinne der Gewährleistung einer
stabilen und ausreichenden Versorgung mit Energie ist eine existentielle
Herausforderung. Wie kann eine expandierende Weltwirtschaft im 21. Jahrhundert
mit Energie versorgt werden, ohne dass es durch internationale Konkurrenz
über knapper werdende Ressourcen zu gewaltsamen Konflikten kommt?
Zu den wenigen, bisher nicht erschlossenen Energiequellen, gehören
auch die in der Arktis vermuteten Ressourcen. Wem gehören sie und
wer darf sie nutzen? Versorgungssicherheit und Verteilungsgerechtigkeit
sind aber nur zwei Aspekte von Energiesicherheit. Auch die Förderung
und Entwicklung von umweltverträglichen Formen der Energiegewinnung
sowie die Energieeinsparung durch die Entwicklung neuer Technologien
und Fahrzeuge sind wichtige Faktoren für die Sicherung unseres
Energiebedarfs.
Am Beispiel Europas und insbesondere der Ostseeregion lässt sich
exemplarisch studieren, wie die Herausforderungen der Energiesicherheit
im 21. Jahrhundert – stabile Versorgung und ökologische Nachhaltigkeit
– miteinander in Einklang gebracht werden können. Wie internationale
Akteure um Ressourcen streiten, kann man in der Arktis beobachten –
obwohl bisher noch unklar ist, ob, wann und wie diese Ressourcen gewonnen
werden können.
Den vollständigen Artikel von Inken Dose können Sie
HIER
lesen!
[nach oben]
16 Wissenschaft Global –
die University of the Arctic
Von Nikolas Sellheim

Niklas Sellheim
Foto: privat |
Nun halte ich ihn in den Händen: den Bachelor
of Circumpolar Studies – verliehen von der Høgskolen
(dt: Universität) in Bodø, cirka 100 Kilometer nördlich
des norwegischen Polarkreises. Nach intensivem Studium unterschiedlicher
Disziplinen habe ich nun die Arktis auf multidisziplinäre Weise
kennengelernt: Unter anderem wurden der Klimawandel und seine Folgen
für Natur und Mensch thematisiert, internationale Rechtsprechung
in Bezug auf arktische und nicht-arktische Urvölker (neben Inuit
und Saamen leben noch cirka 20 weitere Völker rund um die Nordpolargebiete)
diskutiert und das Ökosystem der Arktis in seiner Komplexität
erklärt.
Was als einjähriges Arctic Studies Program in Rovaniemi,
Finnland, begann, habe ich in Form eines Bachelor-Abschlusses per Fernstudium
in Bodø beenden können. Alle Studienpunkte aus Rovaniemi
sind in diesen Abschluss eingeflossen und konstituieren nun mit den
norwegischen Punkten den Bachelor of Circumpolar Studies.
Ermöglicht wurde mir dies durch die University of the Arctic,
einem seit 2001 bestehenden Netzwerk für den Austausch arktischen
Wissens und Expertise. Zur Zeit sind 116 Bildungseinrichtungen aus den
acht arktischen Länden (USA, Kanada, Dänemark/Grönland,
Island, Schweden, Norwegen, Finnland und Russland) Mitglied der University
of the Arctic, die mittlerweile eine studentische Mitgliederzahl
von 650.000 und eine Expertenzahl von 50.000 vorweisen kann. Die University
of Lapland in Rovaniemi sowie die Høgskolen i Bodø
sind beide Mitglieder der University of the Arctic. Durch die
unterschiedlichen fachlichen Ausrichtungen der Mitgliedsinstitutionen
(z.B. Universitäten, indigene Einrichtungen, Forschungsstationen)
ist es nun möglich, arktische Wissenschaft in ihrer Gesamtheit
zu verstehen und zukünftige Forschung in multidisziplinärer
und multinationaler Weise zu betreiben. Einen Anfang macht hierbei der
seit nun einigen Jahren bestehende Bachelor of Circumpolar Studies.
Wegweisend ist jedoch, dass nicht nur westliche Wissenschaftsparadigmen
in die Diskurse miteinbezogen werden, sondern auch traditionelles Wissen
der arktischen Urvölker als gleichwertige Wissenschaft anerkannt
wird.
Das Teilen von Wissen und Expertise ist der Kerngedanke der University
of the Arctic, die als dezentralisierte und grenzübergreifende
Institution als Beispiel für globale Wissenschaft angesehen werden
kann. Die 13 Büros in fünf unterschiedlichen Ländern
arbeiten auf täglicher Basis eng miteinander zusammen und ermöglichen
somit die Einheit der wissenschaftlichen Disziplinen in arktischen Studien.
So halte ich ihn nun in den Händen: Den Bachelor
of Circumpolar Studies, den vor mir nur eine Handvoll Deutsche
erreicht hat. Als Deutscher mit einem norwegischen Studienabschluss
von einer Universität, die ich nie persönlich kennengelernt
habe — mit Qualifikationen, die die Arktis in einem Licht jenseits
der Naturwissenschaften erstrahlen lassen.
Weitere Informationen:
University
of the Arctic
UArctic International Secretariat
University of Lapland
P.O. 122
96101 Rovaniemi Finland
secretariat@uarctic.org
[nach oben]
17 Arktis im TV
WDR | Dienstag, 12.05.2009 | 20.15 Uhr
Grönland - "Das grüne Land"
Schweden 2003
Es scheint ein Widerspruch zu sein, dass ein Land, das zu mehr als
80 Prozent unter einer gewaltigen Eiskappe versinkt, "grünes
Land" getauft wurde. Voller Optimismus hatte der Wikinger Erik
der Rote den Ort so genannt. Wie viel Grün, wenn überhaupt,
gibt es auf der riesigen Insel?
Ganz im Gegensatz zur allgemeinen Vorstellung von diesem Teil der
Arktis wartet Grönland durchaus mit Grün, mit leuchtenden
Blumen und sogar mit etwas Wald auf. Man muss nur die richtigen Orte
wählen, so wie die mutigen Wikinger, die die Insel vor mehr als
1.000 Jahren entdeckten und zu besiedeln begannen. Steinerne Zeugen
aus dieser Zeit sind noch heute vorhanden. Im Frühjahr werden die
Küstensäume grün. Für Moschusochsen, Rentiere, Polarfüchse
und prächtige große und kleine Vögel beginnen dann die
Wochen der Jungenaufzucht. Aber auch Schafe bevölkern die Ebenen.
Die Inuit, die früher vorwiegend als Jäger umherzogen, leben
hier von Landbau und Viehwirtschaft und sorgen dafür, dass Grönland
noch ein wenig mehr zum grünen Land wird.
NDR | Mittwoch, 13.05.2009 | 13.05 Uhr
Weltreisen Classics: Von Eisbären und Einsiedlern - Leben
im Hohen Norden
Spitzbergen liegt eine gute Flugstunde vom Nordpol entfernt auf dem
80. Breitengrad. Im Sommer ist es zu hell, im Winter zu dunkel und ganzjährig
zu windig. Ein unmöglicher Ort mitten im Nordpolarmeer und gerade
deswegen eine Herausforderung. Jedes Jahr kommen junge Leute, die testen
wollen, ob sie es in der Arktis schaffen. Sie bleiben ein Jahr, forschen,
jagen, testen ihre Grenzen. Manche bleiben - es gibt sogar einen Kindergarten.
Auf Spitzbergen gibt mehr Eisbären als Einwohner, und die Bären
sind nicht nur in der Überzahl. Sie können auch schneller
rennen. Wer sich außerhalb der wenigen Ortschaften bewegt, muss
ein Gewehr tragen und beweisen, dass er es bedienen kann. Nirgendwo
ist man den Bewohnern der Arktis so nah wie hier, nirgendwo lassen sich
auch die Sterne und das Weltklima besser beobachten als in dieser kalten
Ecke vor dem Nordpol. Einer der Höhepunkte der "Weltreise"
ist eine glimpflich verlaufene Begegnung mit den Eisbären - ARD-Korrespondent
Tilmann Bünz und das Team vom Studio Stockholm waren Zeugen einer
Bärenjagd aus dem Hubschrauber. Die Schüsse sollten die Raubtiere
im Woodfjord im Norden Spitzbergens nur betäuben und für eine
Stunde außer Gefecht setzen. Zeit um die Eisbären zu wiegen
und mit Satellitenempfängern auszustatten. Denn aus den Wanderungen
der Tiere kann man erkennen, ob ihr Lebensraum schwindet - die Eisbären
merken als Erste, wenn die Temperaturen steigen. Der Klimawandel ist
am Nordpol schon zu spüren. Er ist von Spitzbergen aus auf einem
Tagestrip zu erreichen. Die Flüge starten mehrmals wöchentlich,
geflogen wird mit einer russischen Spezialmaschine mit oben liegenden
Düsen. Der Nordpol ist nur bis Ende April zu betreten: Danach taut
das Eis. Ein Tagestrip für 8.000 Euro, für Leute, denen selbst
Spitzbergen zu langweilig geworden ist.
[nach oben]
18 GRÖNLAND – zum
Weiterlesen
- Bruemmer, Fred: Mein Leben mit den Inuit: Reisen zwischen Grönland
und Alaska. Sierra Taschenbuch, 2001.
- Harbsmeier, Michael (Hg.): Stimmen aus dem äußersten
Norden. Wie die Grönländer Europa für sich entdeckten.
Stuttgart, Jan Thorbecke Verlag, 2001.
- Høeg, Peter: Fräulein Smillas Gespür für
Schnee. München Wien, Hanser, 1994.
- Kastura, Thomas: Flucht ins Eis. Warum wir ans kalte Ende der Welt
wollen. Berlin, Aufbau Verlag, 2000.
- Kölbl, Richard H.: Grönländisch Wort für Wort.
Kauderwelsch Band 204. Bielefeld, Reise Know-How Verlag Rump, 2006.
- Ladischensky, Dimitri: Herrn Andersens Gespür für Grönland.
Mare Heft Nr. 71, auch
im Internet verfügbar.
- Malaurie, Jean: Der Ruf des Nordens. Auf den Spuren der Inuit.
München, Buchner, 2001.
- Malaurie, Jean, Ultima Thule. Explorers and Natives in the Polar
North. New York, Norton, 2003.
- Nansen, Fridtjof: Auf Schneeschuhen durch Grönland 1888 —
1889. Lenningen, Edition Erdmann, 2003.
- Rasmussen, Knud: Tagebuch der Thule-Fahrt: Unter Jägern und
Schamanen. Zürich, Unionsverlag, 2006.
- Riel, Jörn: Vor dem Morgen. Zürich, Unionsverlag, 2007.
- Smiley, Jane: Die Grönland-Saga. Frankfurt am Main, Fischer,
1992.
- Walsøe, Per: Goodbye Thule, The Compulsory Relocation in
1953. Kopenhagen, Tiderne Skifter, 2003.
[nach oben] |